Kinder- und Jugendpolitik - Grundlagen und Strukturen - CN

Relevante Gesetze

Chinesische Mauer
Chinesische MauerBild: © jonasginter / fotolia.com

Während des Mao-Regimes bis Ende der 1970er existierten keine speziellen Gesetze für Kinder und Jugendliche. Allerdings sahen einige gesetzliche Regelungen wie beispielsweise das Heiratsgesetz einen besonderen Schutz für Minderjährige vor. Im Zuge des Wandels der Volksrepublik China entstanden in den letzten drei Jahrzehnten entsprechende rechtliche Regelungen.

Es gibt in China nach wie vor kein einheitliches Rechtssystem für die Kinder- und Jugendhilfe. Das Rechtssystem für die Kinder- und Jugendhilfe stützt sich derzeit auf die Verfassung; maßgeblich ist hierbei neben anderen Gesetzen und Verordnungen das Gesetz der VR China zum Schutz von Minderjährigen (Neufassung aus dem Jahr 2006).

Verfassung der Volksrepublik China
Die Ehe, Familie, Mütter und Kinder genießen gemäß Artikel 49 der chinesischen Verfassung den Schutz des Staats. Eltern sind verpflichtet, Kinder unter dem Alter von 18 Jahren zu betreuen und erziehen.

Artikel 46 der Verfassung Chinas (1982) legt fest, dass es Aufgabe des Staates ist, die moralische, intellektuelle und physische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Des Weiteren stehen Kinder nach Artikel 49 unter staatlichem Schutz und ihre Misshandlung ist verboten. Artikel 49 besagt ebenfalls, dass Eltern verpflichtet sind, unmündige Kinder zu pflegen und zu erziehen, und dass erwachsene Kinder verpflichtet sind, ihre Eltern zu unterhalten und zu unterstützen.

Gesetz zum Schutz von Minderjährigen (1992, und Neufassung aus dem Jahr 2006)

Das Gesetz zum Schutz von Minderjährigen wurde im September 1991 vom Nationalen Volkskongress verabschiedet und trat am 1. Januar 1992 in Kraft. Es ist das erste Gesetz der Volksrepublik, das explizit den Jugendschutz zum Thema hat, und stellt einen wichtigen Schritt für den Kinder- und Jugendschutz des Landes dar. Im Jahr 2006 wurde das Gesetz neu aufgelegt.

Das Gesetz zum Schutz von Minderjährigen präzisiert die in der Verfassung festgelegten Zielsetzungen. Als Minderjährige gelten dabei alle Personen unter 18 Jahren. Ziel des Gesetzes ist es, 
• die körperliche und mentale Gesundheit von Minderjährigen zu fördern, 
• ihre gesetzlichen Rechte und Interessen zu gewährleisten,
• ihre moralische, intellektuelle und körperliche Entwicklung zu fördern sowie 
• die Minderjährigen zu Nachfolger(inne)n der sozialistischen Sache zu erziehen.

Neben den staatlichen Organen und Einrichtungen sind die Familie, die Schule und die Gesellschaft explizit zum Schutz von Kindern und Jugendlichen verpflichtet. Die Kommunistische Jugendliga, die Frauenverbände, Gewerkschaften, Jugend- und Studierendenverbände sowie die Jungpioniere und andere soziale Organisationen sind darüber hinaus aufgefordert, die Regierung beim Jugendschutz zu unterstützen. 

Nach dem Gesetz sind Eltern unter anderem dazu verpflichtet, ihre Kinder zu beaufsichtigen und zu schützen, sie nicht zu misshandeln, gegen ihren Willen zu verheiraten oder zum Schulabbruch zu zwingen. Eltern und andere Aufsichtspersonen, die dagegen verstoßen, machen sich strafbar.

Neben der Gewährleistung des Unterrichts sind die Schulen aufgefordert, den minderjährigen Schüler(inne)n Hilfen für ihr Leben mit auf den Weg zu geben. Das Recht der Minderjährigen auf eine schulische Ausbildung ist zu respektieren. Schüler/-innen dürfen deshalb nicht willkürlich von der Schule verwiesen werden. Körperliche Bestrafung und alle anderen Aktivitäten, die die Würde der Kinder und Jugendlichen verletzen können, sind verboten.

Chinesisches Haus
Chinesisches HausBild: © Elwynn / fotolia.com

Gesetz zu den Schutzpflichten der Gesellschaft (1991)
Die Regelungen des Gesetzes zu den Schutzpflichten der Gesellschaft sind vielfältig und reichen von der Förderung sozialer und kultureller Aktivitäten für Minderjährige über Rauchverbote in Klassenräumen bis zum Verbot der Vertreibung jugendgefährdender Medien an Jugendliche. Des Weiteren legt das Gesetz fest, dass Jugendliche erst ab einem Alter von 16 Jahren eingestellt werden dürfen und im Alter zwischen 16 und 18 Jahren bei der Arbeit besonderen Schutzbestimmungen unterliegen.

Minderjährige unter 14 Jahren gelten als nicht strafmündig. Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren werden nur für schwere Straftaten wie Mord, Vergewaltigung oder Drogenhandel verantwortlich gemacht und erhalten mildere Strafen. Minderjährige zwischen 16 und 18 Jahren gelten als voll strafmündig, erhalten aber mildere Strafen. So soll beispielsweise die Todesstrafe bei Jugendlichen unter 18 Jahre nicht angewandt werden. 

Bei der Polizei und vor Gericht genauso wie im Strafvollzug werden Minderjährige getrennt von Erwachsenen behandelt. Alle Gerichtsverfahren, die Minderjährige betreffen, sind nicht öffentlich zu verhandeln. 

Der vollständige Text des Gesetzes auf Englisch ist unter http://en.chinacourt.org/public/detail.php?id=228&k_title=youth&k_content=youth&k_author zu finden.

Gesetz zur Vorbeugung jugendlicher Straftaten (1999)
Das Gesetz ist eine Reaktion auf die starke Zunahme der Jugendkriminalität in China und spiegelt den sozialen und politischen Willen wider, das Jugendstrafsystem zu legalisieren und zu definieren. 

Die Bekämpfung von Kriminalität wird in dem Gesetz als Aufgabe für alle gesellschaftlichen Kräfte beschrieben und die Bemühungen darum in drei Stufen eingeordnet:

  1. Alle Jugendlichen sollten Ziel von rechtlicher und moralischer Erziehung sein, bevor sie in kriminelle Aktivitäten verstrickt werden können. 
  2. Jugendliche, die kleinere Delikte begangen haben, sollten entsprechende Vorbeugungsmaßnahmen erfahren, um schlimmere Straftaten zu vermeiden. 
  3. Rückfällig gewordene Jugendliche sind Ziel besonderer Vorbeugungsmaßnahmen, um eine tiefe und chronische Verstrickung in kriminelle Aktivitäten zu verhindern. 

Das Gesetz der Volksrepublik China zur Schulpflicht (1986, Neufassung aus dem Jahr 2006) gewährleistet, dass alle Kinder in China Anspruch auf neun Jahre kostenlosen, verpflichtenden Schulunterricht haben. Die Erstfassung dieses Gesetzes stammt aus dem Jahr 1986 (damals Bildungsgesetz (Englische Version)). Der Staat ist zur Errichtung eines Systems einer neunjährigen Schulpflicht verpflichtet. Der Staat, die Gemeinschaft, Schulen und Familien sind gemäß diesem Gesetz verpflichtet, das Recht auf die verpflichtende Schulbildung von Kindern und Jugendlichen im Schulalter zu schützen. Der Staat darf für schulpflichtige Schüler/-innen kein Schulgeld verlangen und ist verpflichtet, ein System von Beihilfen einzurichten, um den Schulbesuch armer Kinder zu unterstützen. Lokale Volksregierungen auf verschiedenen Ebenen sind verpflichtet, für alle Kinder und Jugendlichen im Schulalter Bedingungen zu schaffen, die ihnen einen Schulbesuch und die Erfüllung ihrer Schulpflicht ermöglichen. Wo schulpflichtige Kinder und Jugendliche nicht an einer Schule angemeldet sind und die verpflichtende Schulbildung nicht erhalten (außer Kinder und Jugendliche, die aufgrund von Krankheit oder anderen besonderen Umständen von ihrer kommunalen Volksregierung vom Schulbesuch befreit sind), hat die jeweilige lokale Volksregierung die Eltern oder Vormunde dieser Kinder oder Jugendlichen zu ermahnen und kritisieren und wirkungsvolle Maßnahmen zu ergreifen, um den Schulbesuch dieser Kinder oder Mündel anzuordnen.

Weitere Gesetze, die den Schutz von Kindern und Jugendlichen berühren:

  • Adoptionsgesetz 
  • Arbeitsgesetz 
  • Gesetz über Lehrer/-innen 
  • Gesetz zum Schutz der Rechte und Interessen von Frauen 
  • Gesetz zum Schutz von Menschen mit Behinderungen 
  • Gesetz zur Gesundheitsfürsorge für Kinder und deren Mütter 

sowie diverse Regelungen für die Umsetzung dieser und anderer relevanter Gesetze.

Die Volksrepublik China hat 1991 die UN-Kinderrechtskonvention unterzeichnet und zu deren Umsetzung das Nationale Programm für die Entwicklung von Kindern verabschiedet.

Link
http://wiki.crin.org/mediawiki/index.php?title=China - Wiki zu Kinderrechten in China

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Altersbezogene gesetzliche Regelungen

Schulpflicht

  • Beginn der Schulpflicht: 6 Jahre 
  • Ende der Schulpflicht: 15 Jahre 

Mündigkeit

  • Bedingte Strafmündigkeit: 14 Jahre 
  • Volle Strafmündigkeit (aber mildere Strafen): 16 Jahre 
  • Volljährigkeit: 18 Jahre  

Arbeit

  • Erlaubnis eingestellt zu werden (mit besonderen Schutzbestimmungen): 16 Jahre 

Führerschein

  • PKWs, Motorräder: 18 Jahre 
  • kleine Busse, LKWs: 21 Jahre 
  • Traktoren: 24 Jahre 
  • große Busse: 26 Jahre 

Weiteres

  • Beginn der drei- bis vierjährigen Wehrpflicht für Männer: 18 Jahre 
  • aktives und passives Wahlrecht: 18 Jahre 
  • Erlaubnis zum Kauf von alkoholischen Getränken: 18 Jahre 

Anders als in Deutschland wird der Begriff "Jugendliche/-r" in China zum Teil recht weit interpretiert. So werden beispielsweise in Statistiken des Ministeriums für Arbeit und Soziale Sicherheit Personen bis 35 Jahre in die Kategorie "Jugendliche" eingeordnet. Die Altersgrenze für die Nominierung von Personen als "verdienstvolle jugendliche Einzelmitglieder" der Kommunistischen Jugendliga liegt gar bei 40 Jahren. Es gibt allerdings Diskussionen über diese weite Auslegung der Altersgrenze. – Ein Beitrag zu dieser Debatte findet sich unter http://blogs.wsj.com/chinarealtime/2008/04/22/youth-day-whats-age-got-to-do-with-it/?mg=blogs-wsj&url=http%253A%252F%252Fblogs.wsj.com%252Fchinarealtime%252F2008%252F04%252F22%252Fyouth-day-whats-age-got-to-do-with-it

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Finanzierung

Yuan Banknoten
Yuan BanknotenBild: moerschy / pixabay.com

Staatliche Förderung

In China erhalten verschiedene Organisationen von der Zentralregierung, von Lokalregierungen oder staatlichen Stellen finanzielle Unterstützung. Es gibt allerdings keinen eindeutigen Betrag, der jährlich für die Kinder- und Jugendarbeit aufgewendet wird, und die Finanzierung ist von Provinz zu Provinz und Stadt zu Stadt unterschiedlich.

Private und sonstige Finanzierungsquellen

Es existieren verschiedene Stiftungen und wohltätige Organisationen, deren Arbeit sich auf die Verbesserung der Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen konzentriert, und die Zahl der nationalen und internationalen Stiftungen zur Förderung der Kinder- und Jugendarbeit in China ist insbesondere in den letzten Jahren gewachsen.

China Youth Development Foundation (Stiftung zur Entwicklung der chinesischen Jugend/CYDF)
Die China Youth Development Foundation ist der Förderung der Kapazitäten und Kompetenzen junger Menschen verpflichtet und möchte ein Umfeld schaffen, das dem Wachstum junger Menschen zuträglich ist. Sie stellt hierfür Hilfsangebote bereit und vertritt die Interessen und sozialen Anliegen junger Menschen. Die CYDF lancierte im Oktober 1989 das Projekt Hoffnung, eines der größten und einflussreichsten philanthropischen Programme Chinas. Das Projekt Hoffnung sammelte bis 2013 insgesamt 9,757 Milliarden RMB Yuan (von denen die CYDF 3,167 Milliarden aufbrachte), unterstützte über 4,9 Millionen finanziell benachteiligte Schüler/-innen (Primar- und Sekundarstufe) und Studierende in ländlichen Gebieten und errichtete 18.335 Hoffnungs-Grundschulen und etwa 20.604 Hoffnungs-Minibüchereien.

China Child and Teenagers’ Fund (China-Fonds für Kinder und Teenager/CCTF)
Der China Child and Teenagers’ Fund war die erste nationale wohltätige Stiftung des Landes. Der CCTF arbeitet unter der Aufsicht des Allchinesischen Frauenverbands (ACWF) und erhielt vom Ministerium für Zivilangelegenheiten der VR China mit 5A die höchste Bewertung, die für Stiftungen in China erreichbar ist. Aufgabe des CCTF ist die Betreuung, Förderung, Erziehung und Bildung von Kindern und Teenagern in China sowie die Unterstützung der Regierung in der Verbesserung der Bildungs- und Sozialsituation von Kindern und Teenagern. Der CCTF verwaltet vier philanthropische Markenprojekte: das Projekt Frühlingsknospe sowie die Projekte Sicheres und gesundes Wachstum, Glückliches Zuhause für Kinder und HELLO Kids.

Children’s Hope Foundation (Stiftung Hoffnung für Kinder) Die Children’s Hope Foundation fördert den Respekt für das Leben, indem sie bedürftigen Kindern ein Zuhause, Gesundheit und Hoffnung bietet.

China Charities Aid Foundation for Children (China-Stiftung Hilfe für Kinder) Die 2009 gegründete China Charities Aid Foundation for Children unterstützt obdachlose Kinder und Jugendliche, Waisen (auch Waisen mit HIV/Aids) und Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf.

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Fußnoten

1 Vgl. Zhang, Ye: China’s Emerging Civil Society, in: The Brookings Institution - Center for Northeast Asian Policy Studies, 2003, S. 17. (Abruf: 28.01.09)

Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten

Chinesische Schriftzeichen.
Chinesische Schriftzeichen.Bild: quillau / pixabay.com

n In der Volksrepublik China gibt es kein Ministerium, das explizit für Jugendfragen verantwortlich ist. In China erbringen verschiedene staatliche Ministerien und Stellen Dienstleistungen für Kinder und Jugendliche und tragen für die Kinder- und Jugendarbeit Verantwortung. Eine zentrale Stellung innerhalb der politischen Struktur des Landes nimmt der Allchinesische Jugendverband (All China Youth Federation - ACYF) ein, der gleichzeitig auch als Dachverband von chinesischen Jugendorganisationen fungiert. Die Kommunistische Jugendliga ist zentrale Mitgliedsorganisation des Allchinesischen Jugendverbandes, was den Allchinesischen Jugendverband dazu befähigt, bei allen jugendspezifischen Fragen auf allen Ebenen Einfluß zu nehmen. (Weitere Informationen zur Kommunistischen Jugendliga unter Jugendarbeit > Jugendverbandsarbeit

Ebenso übernimmt der ACYF die Koordinierung der Regierungsaufgabe in Jugendfragen und Jugendpolitik. Zu den Aufgaben zählen die Förderung der Umsetzung von Gesetzen und Politiken zum Schutz der Rechte und Interessen von jungen Menschen und als Pilotaufgabe der Aufbau von Serviceeinrichtungen. Zudem ist der ACYF von der chinesischen Regierung mit dem Recht betraut worden, Verträge und Kooperationen mit internationalen Organisationen sowie nationalen Jugendringen und Regierungsstellen im Ausland abzuschließen. – Weitere Informationen unter Nationale und regionale Kinder- und Jugendräte sowie auf der Homepage des Allchinesischen Jugendverbands unter www.qinglian.org/YouthFederation/index/201311621.htm (Kurzversion auf Englisch unter www.acyf.org.cn).

Das Ministerium für Zivilangelegenheiten der VR China, das für Angelegenheiten der Sozialverwaltung zuständige Ministerium beim Staatsrat, erbringt Dienstleistungen für Kinder, Jugendliche, Menschen mit Behinderungen und Senioren auf nationaler, lokaler und Gemeinschaftsebene. Das Ministerium hat die folgenden Hauptaufgaben:

  • Erarbeitung von Entwicklungsplänen und Politiken für zivile Angelegenheiten
  • Management der Registrierung und Begleitung sozialer Gruppen, Fonds und privater „Nichtunternehmenseinheiten“
  • Erarbeitung von Strategien für die Katastrophenhilfe
  • Organisation und Koordination von Hilfeleistungen
  • Erarbeitung von Plänen, Politiken und Normen für die Sozialhilfe
  • Bereitstellung von Subventionen für Stadt- und Landbewohner und Erbringung medizinischer und zeitlich befristeter Hilfeleistungen
  • Formulierung von Entwicklungsplänen, Politiken und Normen für Sozialleistungen
  • Entwicklung von Richtlinien für Heiraten, Todesfälle und Bestattungen

Die Behörde für Sozialleistungen und wohltätige Organisationen ist für Sozialdienste für Senioren, Waisen, Menschen mit Behinderungen und andere hilfsbedürftige Gruppen verantwortlich.
Offizielle Website: www.mca.gov.cn

Das chinesische Bildungsministerium ist für das Schul- und Unterrichtswesen sowie für die Umsetzung der Sprachenpolitik im Land zuständig. Unter seiner Führung werden die Leitlinien und Strategien der Regierung umgesetzt. Des Weiteren ist das Bildungsministerium für die Lehrer(innen)ausbildung und die Hochschulen verantwortlich. - Ausführliche Informationen zum Bildungsministerium und dem chinesischen Bildungssystem sind auf der Homepage des Bildungsministeriums unter www.moe.edu.cn/publicfiles/business/htmlfiles/moe/moe_2792 zu finden (auf Englisch).

Alle diese Ministerien und staatlichen Stellen, die in Provinzen, Groß- und Kleinstädten jeweils über Niederlassungen vertreten sind, leisten Jugendarbeit und fördern die Entwicklung junger Menschen. Die Jugendarbeit setzt in verschiedenen Regionen unterschiedliche Schwerpunkte.

Auch beim Nationalen Arbeitsausschuss für Frauen und Kinder beim chinesischen Staatsrat geht es um Kinderthemen. Die Mitgliedsorganisationen dieses Arbeitsausschusses, dem aktuell 33 Ministerien, Kommissionen und NGOs angehören, werden vom Staatsrat gebilligt. Der Ausschuss bildet die Abteilung für Frauen- und Kinderarbeit des Staatsrats, und ihm obliegt die Koordination und Unterstützung staatlicher Stellen bei der Umsetzung von gesetzlichen und sozialpolitischen Maßnahmen mit Auswirkung auf Frauen und Kinder. Der Ausschuss setzt seit seiner Gründung die grundlegende Staatspolitik für die Gleichheit von Frauen und Männern um, befolgt den Grundsatz „Kinder zuerst“ und arbeitet für gute Lebensbedingungen, den Schutz und die Förderung von Frauen und Kindern. (Aufgaben der Ausschusses im Detail als pdf)

Weitere Ministerien mit kinder- und jugendrelevanten Aufgaben:

  • Ministerium für Arbeit und soziale Sicherung (Jugendarbeitslosigkeit, Beschäftigungsförderung)
  • Ministerium für Gesundheit
  • Justizministerium
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Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme

Junge Frauen springen in die Höhe.
Junge Frauen springen in die Höhe.Bild: 393334 /pixabay.com

Der Staatsrat gab 2001 das Nationale Förderprogramm für Kinder (2001–2010) bekannt. Dieses Programm gab wichtige Zielsetzungen, Strategien und Maßnahmen in den vier Bereichen Kindergesundheit, Bildung, rechtliche Absicherung und Umwelt vor, und wichtige Ziele des Programms wurden bis Ende 2010 erreicht. So haben sich z. B. die Gesundheit und der Ernährungszustand von Kindern stetig verbessert.

Das sich anschließende Nationale Förderprogramm für Kinder http://www.womenofchina.cn/womenofchina/html1/source/1502/997-1.htm(2011-2020) (China National Program for Child Development, in Englisch) legte konkrete Ziele in fünf Bereichen fest: Gesundheit, Schulbildung, soziale Versorgung und Dienstleistung, soziales Umfeld, gesetzlicher Schutz. Es wurde im Einklang mit relevanten Gesetzen und Vorschriften erarbeitet. Es entspricht außerdem den Zielsetzungen des UN-Übereinkommens über die Rechte des Kindes, den allgemeinen Zielsetzungen und Anforderungen Chinas wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung sowie der Sachlage der Entwicklung von Kindern in China. Regelmäßig wird überprüft, ob diese Ziele erreicht worden sind. Nach Daten des Nationalen Statistikamtes, die am 27.10.2017 veröffentlicht wurden, wurden manche Ziele bereits 2016 erreicht. (Quelle: Dr. Wei Zhang)

Kampagnen

Die Kinder- und Jugendarbeit konzentriert sich derzeit insbesondere auf die Förderung junger Menschen, u. a. durch Bildung und die Integration junger Migrantinnen und Migranten in Großstädten, sowie auf zurückgelassene Kinder und Jugendliche in ländlichen Gebieten. Chinas nationales Förderprogramm für Kinder erklärt die Umsetzung der Förderstrategie, insbesondere im Umfeld der Bildung, zur Priorität, um den Rechtsanspruch von Kindern auf Bildung zu schützen, eine gleichbleibende Qualität grundlegender öffentlicher Bildungsdienste zu gewährleisten, die Bildung von Kindern aus ethnischen Minderheiten und in von ethnischen Minderheiten besiedelten Regionen zu beschleunigen, wissenschaftliche Orientierungshilfen zur Erziehung von Kindern im Alter von 0–3 Jahren bereitzustellen, den Aufbau der Vorschulbildung für Kinder im Alter von 3–6 Jahren voranzutreiben, die Chancengerechtigkeit für von Migration betroffene Kinder in der verpflichtenden Schulbildung sicherzustellen und vieles mehr. Gleichzeitig sind Tendenzen zum Auf- bzw. Ausbau einer umfassenden „institutionalisierten“ Unterstützungs…. Zu erkennen.

Im Jahr 2016 haben das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas und der Staatsrat Chinas einen mittel- und langfristigen Jugendentwicklungsplan Chinas (2016-2025) (in Chinesisch) aufgestellt, kurz: Jugendentwicklungsplan. In diesem Plan bezieht sich der Begriff „Jugendliche“ auf die Altersspanne 14 bis 35 Jahre.

Der Jugendentwicklungsplan konzentriert sich auf die Themen:

  • Bildung (s. Kapitel BILDUNG unter Aktionsfelder im Kinder- und Jugendbereich),
  • Gesundheit (s. Kapitel GESUNDHEIT unter Aktionsfelder im Kinder- und Jugendbereich),
  • Partnerschaft und Ehe von Jugendlichen,
  • Gewährleistung der Rechte der Jugendlichen,
  • Kriminalitätsprävention sowie
  • soziale Sicherungssysteme

Beim Thema Partnerschaft und Ehe von Jugendlichen legt der Jugendentwicklungsplan folgende Entwicklungsziele fest: Die Jugendlichen sollen ein moderneres, positiveres und vernünftigeres Verständnis von Partnerschaft und Ehe entwickeln, die Qualität von Eheschließung, Familiengründung für Jugendliche und Reproduktionsmedizin sollen verbessert werden. Ebenso sollen die Jugendlichen bei der Partnersuche und Eheschließung unterstützt werden, d.h. es werden z.B. Veranstaltungen gefördert, die zum Kennenlernen und Austausch unter den Jugendlichen beitragen.

Thema Gewährleistung der Rechte der Jugendlichen: Ziel ist es, Verbrechen wie Kinderhandel und -entführung, sexuellen Missbrauch oder das Aussetzen bzw. die Misshandlung von Minderjährigen streng zu bekämpfen. Der Jugendentwicklungsplan sieht vor, Gesetze und Regelungen in den Bereichen des elektronischen Geschäftsverkehrs, des Schutzes persönlicher Daten des Einzelnen und der Verwaltung der Informationen im Internet zügiger zu erstellen, sowie "Richtlinien zum Schutz der Minderjährigen im Internet" zu verabschieden. Darüber hinaus soll die Verbreitung von Inhalten über Gewalt, Pornographie, Glücksspiel, Aberglaube und Sekten bekämpft werden.

Thema Kriminalitätsprävention: Der Jugendentwicklungsplan sieht vor, die gemäß der Gesetze geforderten Strafen zu vollziehen, um Mobbing und Gewalt in allen Bildungseinrichtungen einzudämmen. Gleichzeitig müssen die Funktionen der Vormundschaft der Familie und die Bildungsfunktion der Schulen und Hochschulen bei der Erziehung hervogehoben werden. Darüber hinaus muss verhindert werden, dass die Kinder und Jugendlichen den Kontakt zur Familie, Schule bzw. Hochschule abbrechen, so dass rechtzeitig, bei abweichendem Verhalten der Jugendlichen, gezielte Präventionsmaßnahmen durchführen zu können.

Thema soziale Sicherungssysteme: Konkrete Maßnahmen sehen vor, den Kindern auf dem Land, die von den Elten bei Verwandten oder der Familie zurückgelassen wurden, tatkräftig zu helfen, um Probleme wie Schulabbruch, Verwahrlosung, psychische Fehlentwicklungen oder fehlender Schutz zu lösen.

Quelle: http://www.nj.gov.cn/xxgk/qzf/gcq/201704/t20170419_4440033.html und Jugendentwicklungsplan (2016-2025)

 

Zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit setzt die Regierung auf 

  • die Schaffung von Arbeitsplätzen für Jugendliche,
  • die Verbesserung der Arbeitsmarktfähigkeit von Jugendlichen durch bessere Ausbildung und Schulung,
  • die Förderung von Unternehmertum unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie 
  • den Abbau von Vorurteilen und Diskriminierung gegenüber Jugendlichen. 

Eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Regierungsmaßnahmen spielt der Allchinesische Jugendverband. Er unterhält rund 650 Arbeitsvermittlungszentren im ganzen Land, die Jugendlichen den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern sollen, indem sie bei der Vermittlung von Arbeitsplätzen helfen. Darüber hinaus gibt es mehr als 100 so genannte "Start Your Business"-Trainingszentren, die junge Menschen beim Erlernen von Gründerfähigkeiten unterstützen und Starthilfe für Jungunternehmen geben. Des Weiteren werden an Universitäten "Know About Business"-Projekte angeboten, die Hochschüler(inne)n schon zu Studienzeiten relevante Kenntnisse über die Geschäftswelt vermitteln sollen. Auch spielt seit einigen Jahren die Informationen und Beratung über Berufswahl, Praktika und Existenzgründung für Jugendliche eine immer größere Rolle. (Informationen zum Beratungsprogramm finden Sie im Kapitel Jugendinformation.)

Weitere Maßnahmen des Allchinesischen Jugendverbands zur Förderung der Jugendbeschäftigung:

  • Modellarbeiter-Kampagne für Jugendliche (Youth Model Worker Campaign) – Kampagne in staatseigenen Betrieben, an der sich bis 2004 rund 40 000 Unternehmen und 30 Millionen junge Arbeiter/-innen beteiligt haben. 
  • Plan zur Aktivierung von fachlichen Kompetenzen von jungen Arbeiter(inne)n (Skill Vitalization Plan for Young Workers). 
  • Kompetenztrainingsprojekt für eine Million junge arbeitlose Arbeiter/-innen (Skill Training Project for a Million Young Laid-off Workers). 
  • Trainingsprojekt in den Bereichen Wissenschaft und Technologie für junge Landwirte (Century-spanned Science and Technology Training Project for Young Farmers). 
  • "Funkele in den westlichen Regionen"-Programm (Sparkle in Western Regions Programme) – Ziel dieses Programms ist es, Jugendliche mit den notwendigen beruflichen Fähigkeiten auszustatten, so dass sie in ihren Heimatregionen im Westen Chinas Arbeit finden. 
  • Plan der eintausend Schulen, eine Million junger Wanderarbeiter/-innen in den Städten zu schulen (Plan of One Thousand Schools to Train a Million Young Migrant Workers in Cities). 
  • Qualitätsentwicklungsplan für Studierende (College Student Quality Development Plan) – Beschäftigungstraining und Coaching für Studierende, um sie besser auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. 
  • Plan zur Förderung von berufsvorbereitenden Praktika für Jugendliche (Pre-employment Internship Plan for the Youth).

Viele Projekte werden in Zusammenarbeit mit dem Youth Employment Network Office China (www.ilo.org/public/english/employment/yen) umgesetzt, das 2005 im Rahmen einer Kooperation des Allchinesischen Jugendverbands mit den Vereinten Nationen, der Weltbank und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) eingerichtet wurde.

In Bezug auf die Jugendkriminalität und ihre Bekämpfung bzw. Vorbeugung hat in den letzten Jahren eine Annäherung an Konzepte anderer Länder stattgefunden. So steht bei der Bestrafung junger Straftäter/-innen mittlerweile der mit der Strafe verbundene Erziehungsansatz im Mittelpunkt und die Strafen für Jugendliche fallen entsprechend geringer aus. Darüber hinaus wurde die Präventionsarbeit professionalisiert. Seit 2001 koordiniert eine Führungsgruppe zur Präventionsarbeit im Bereich Jugendkriminalität (Leading Group on Juvenile Delinquency Prevention Work) die Aktivitäten und in allen Provinzen des Landes wurden Einrichtungen zur Umsetzung der Präventionsmaßnahmen aufgebaut. 

Bei der Präventionsarbeit setzt die Regierung auf einen lokalen Ansatz. Seit 2002 wurden im Rahmen des gemeindebasierten Präventionsprojekts "Jugendkriminalität" (Community-based Juvenile Delinquency Prevention Project) zunächst 50 Pilotdistrikte ausgewählt, in denen Mechanismen, Organisationen, Einrichtungen und Arbeitsgruppen zur Präventionsarbeit aufgebaut wurden. Ziel ist es, das Umfeld für Jugendliche unter anderem durch Bildungs- und Freizeitangebote sowie psychologische Dienste zu ändern, um so ein "Abdriften vom rechten Weg" zu verhindern. Dabei wird eng mit den lokalen Behörden, Familien, Schulen und weiteren relevanten Akteuren zusammengearbeitet. 

Ein weiterer Schwerpunkt der chinesischen Kinder- und Jugendpolitik ist der Bereich der Freiwilligendienste. Im aktuellen Fünf-Jahres-Plan der chinesischen Regierung (2011-2015) wird das Potenzial von sozialen Organisationen und freiwilligem Engagement zur Stärkung der lokalen Gemeinschaft hervorgehoben. Für die chinesische Regierung sind dabei drei Punkte besonders wichtig: Methode für ideologische Erziehung, Beitrag zur Entwicklung der Zivilgesellschaft und Element zur Förderung der sozialen Kompetenz der Jugendlichen. 
Die chinesische Regierung führt verschiedene Freiwilligenprogramme im Jugendbereich durch, die zum Teil vom Allchinesischen Jugendverband umgesetzt werden. Informationen zu diesen Programmen finden Sie unter www.acyf.org.cn/2009-12/25/content_3314913.htmhttp://www.acyf.org.cn/2009-12/25/content_3314913.htm
Insbesondere im sozialen Bereich setzt die chinesische Regierung zunehmend auf soziale Organisationen. Diese Organisationen stehen in enger Verbindung zur lokalen Bevölkerung und deren Bedürfnissen und ihre Arbeit basiert in hohem Maße auf freiwilligem Engagement. So ist freiwilliges Engagement zu einem wichtigen Motor der gesellschaftlichen Entwicklung geworden.
Weitere Informationen zum Thema finden Sie im Kapitel Freiwilliges Engagement.

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Kinder- und jugendpolitische Einrichtungen und ihre Kompetenzen

Das Zentrum für Jugend- und Kinderforschung Chinas (China Youth and Children Research Center - CYCRC) ist ein von der chinesischen Regierung gefördertes nationales Forschungsinstitut, das sich aus verschiedenen untergeordneten Einrichtungen zusammensetzt. Es ist das einzige nationale Institut, das sich bei seiner Forschung auf Kinder und Jugendliche sowie verwandte Themen spezialisiert hat. Ziel ist es, durch theoretische Grundlagen und Informationen die Entwicklung der Jugend in China zu fördern. Das Institut veröffentlicht jährlich mehrere Studien, darunter Berichte über die Situation von Kindern und Jugendlichen in China.

Das Zentrum für Jugend- und Kinderforschung Chinas setzt sich zusammen aus 

  • dem Jugendforschungsinstitut (Youth Research Institute
  • dem Kinderforschungsinstitut (Children's Research Institute
  • dem Forschungsinstitut zur Jugendarbeit (Youth Work Research Institute
  • dem Forschungsinstitut zur Geschichte der Jugendbewegung (Research Institute of the History of Youth Movement
  • dem Institut für Internationale Jugend- und Kinderforschung (Institute of International  Youth and Children Research
  • der Informationsabteilung (Information Department
  • den herausgebenden Büros für das Journal of China Youth Study und das Journal of China Children Study 

Des Weiteren hat das Zentrum einige Forschungs- und Trainingseinrichtungen aufgebaut, die sich mit speziellen Themen und deren Umsetzung beschäftigen, darunter die Büros für Familienbildungs- und Alleinerziehendenforschung und eine Trainingsbasis für junge Militärangehörige. – Die Homepage des Forschungszentrums findet sich unter www.cycs.org (nur auf Chinesisch). 

Treppe in Hongkong mit Comicfiguren.
Treppe in Hongkong mit Comicfiguren.Bild: falco / pixabay.com

Die Stiftung zur Entwicklung der chinesischen Jugend (China Youth Development Foundation - CYDF) wurde 1989 als nicht-staatliche und gemeinnützige Organisation vom Allchinesischen Jugendverband, dem Allchinesischen Studierendenverband sowie der Arbeitskommission der Jungen Pioniere Chinas gegründet. Die Stiftung wirbt um Unterstützung bei in- und ausländischen Organisationen sowie bei Einzelpersonen für die Förderung von chinesischen Kindern und Jugendlichen in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Technologie, Kultur, Gesundheit, Sozialhilfe und Umweltschutz. Des Weiteren setzt sich die Organisation für die Modernisierung des Landes und den Aufbau von Beziehungen zwischen Jugendlichen in aller Welt ein. Das größte und bekannteste Projekt der Stiftung ist das "Projekt Hoffnung", das Schulabbrecher/-innen in armen Gebieten Chinas unterstützt. Partner der Stiftung sind zum Beispiel die International Youth Foundation (www.iyfnet.org), die Weltbank sowie Unternehmen wie Motorola und Coca Cola.

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Nationale und regionale Kinder- und Jugendräte

Der Allchinesische Jugendverband (ACJV) wurde 1949 als Dachverband chinesischer Jugendorganisationen gegründet. Seine Stellung in der politischen Struktur Chinas kommt der eines Jugendministeriums gleich. Der ACJV ist damit nicht mit einem nationalen Jugendrat nach deutschem Verständnis vergleichbar.

Gegenwärtig hat der Allchinesische Jugendverband 52 Mitgliedsorganisationen (16 landesweite Jugendorganisationen und 36 regionale (provinziale) Jugendräte). Bei Letzteren handelt es sich um Vereinigungen von Jugendorganisationen auf der Ebene von Provinzen, autonomen Regionen oder zentral verwalteten Stadtbezirken. Diese Zusammenschlüsse sind gegenüber dem ACJV weisungsgebunden. Des Weiteren sind die Jugendsektionen der Einrichtungen, die direkt dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas und den zentralen Staatsorganen unterstellt sind, Mitglied im ACJV. Gleiches gilt für die Jugendsektionen der zivilen Luftfahrtverwaltung, der nationalen Finanzinstitutionen und der staatseigenen Unternehmen. Darüber hinaus gibt es rund 1800 "verdienstvolle jugendliche Einzelmitglieder" des ACJV auf nationaler und 60 000 ebenso "verdienstvolle jugendliche Einzelmitglieder" auf Provinz- und Lokalebene. Diese haben sich durch herausragende Fähigkeiten (zum Beispiel in Sport, Kultur oder Wissenschaft) ausgezeichnet und werden auf Empfehlung der Mitgliedsorganisationen vom ACJV ausgewählt. 

Unter den Mitgliedsorganisationen des ACJV kommt der Kommunistischen Jugendliga der Volksrepublik China als Kernorganisation eine zentrale Stellung zu. Zwischen ihr und dem ACJV bestehen enge strukturelle und personelle Verflechtungen. So hält die Kommunistische Jugendliga im höchsten Gremium des ACJV die Mehrheit und stellt damit meist den Präsidenten bzw. die Präsidentin. Des Weiteren greift der ACJV für die Umsetzung seiner Aufgaben häufig auf die Strukturen der Kommunistischen Jugendliga auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene zurück. – Weitere Informationen zur Kommunistischen Jugendliga im Kapitel Aktionsfelder im Kinder- und Jugendbereich.

Das höchste Gremium des Allchinesischen Jugendverbands ist das Nationalkomitee. Es setzt sich aus von den Mitgliedsorganisationen empfohlenen Personen zusammen, die persönlich vom ACJV auf fünf Jahre berufen werden. Die Anzahl der Mitglieder/-innen variiert. Derzeit liegt sie bei etwa 77 000. Das Nationalkomitee wählt eine/-n Präsident/-in und mehrere Vizepräsident(inn)en (derzeit 22), die dem Gremium vorsitzen. Es ist verpflichtet, während seiner Amtszeit zwei Plenarsitzungen abzuhalten. Hauptaufgabe des Nationalkomitees ist es, die wichtigsten Leitlinien für die Arbeit, die Aufgaben und die Aktivitäten des Allchinesischen Jugendverbands festzulegen. 

Zwischen den Sitzungen des Nationalkomitees steht der Ständige Ausschuss dem Allchinesischen Jugendverband vor und ist für die Beschlussfassung und die Kontrolle des Präsidiums zuständig. Seine Mitglieder/-innen (etwa 230) werden vom Nationalkomitee gewählt. Der/die Präsident/-in und die Vizepräsident(inn)en des Nationalkomitees sind qua Amt auch Vorsitzende dieses Gremiums, das einmal pro Jahr tagt. 

Zur Wahrnehmung seiner Aufgaben unterhält der Allchinesische Jugendverband in Peking eine Geschäftsstelle mit rund 200 Mitarbeiter(inne)n. Sie gliedert sich in 13 Abteilungen und wird von einem/einer Generalsekretär/-in und dessen/deren Stellvertreter(inne)n geleitet. Angesichts der Doppelfunktion des ACJV und der Größe des Landes erscheint die Zahl der Mitarbeiter/-innen in der Geschäftsstelle auf den ersten Blick als gering. Hier muss beachtet werden, dass der ACJV für die Ausübung seiner Aufgaben auf die Strukturen der Kommunistischen Jugendliga zurückgreift und ihm somit rund 180 000 hauptamtliche Jugendarbeiter/-innen auf verschiedenen Ebenen bei Bedarf zur Verfügung stehen. 

Abbildung: Organisationsstruktur des Allchinesischen Jugendverbands

Organigramm des Allchinesischen Jugendverbands mit Nationalkomitee an der Spitze, gefolgt vom Ständigen Ausschuss, dem Präsidium und der Geschäftsstelle - Grafik: DIJA
Organigramm des Allchinesischen Jugendverbands mit Nationalkomitee an der Spitze, gefolgt vom Ständigen Ausschuss, dem Präsidium und der Geschäftsstelle - Grafik: DIJA

Laut Satzung hat der Allchinesische Jugendverbands unter anderem folgende Zielsetzungen: 

  • das Banner des Patriotismus und des Sozialismus hochzuhalten,
  • junge Menschen aller ethnischen Gruppen und sozialen Schichten zu vereinen und zu erziehen,
  • sie zu ermutigen, den Marxismus-Leninismus, Mao Zedongs Gedanken, den Sozialismus chinesischer Prägung sowie die moderne Wissenschaft, Technologie und das kulturelle Wissen zu studieren,
  • die legitimen Rechte und Interessen junger Menschen aller ethnischen Gruppen und sozialer Schichten zu repräsentieren und zu gewährleisten,
  • junge Menschen anzuleiten, am sozialen Leben auf aktive und gesunde Weise teilzunehmen, und ihnen Dienste für ihre Entwicklung anzubieten,
  • aktiv die Kontakte und die Vereinigung mit jungen Menschen in Taiwan, Hongkong und Macao sowie mit in Übersee lebenden Chines(inn)en auszuweiten sowie 
  • die Verbindung und die Freundschaft mit jungen Menschen in aller Welt zu stärken.

Die Arbeitsschwerpunkte des Allchinesischen Jugendverbands werden vom Nationalkomitee gemäß den Schwerpunkten der chinesischen Regierung festgelegt. Dabei hat der/die Präsident/-in die Möglichkeit, diese Arbeitsschwerpunkte entsprechend seiner/ihrer Spezialgebiete zu modifizieren, wobei der vorgegebene Rahmen jedoch erhalten bleiben sollte. Ferner richten sich die Programme und Maßnahmen des ACJV im Kern nach den in der Satzung festgeschriebenen Zielen, wie etwa die Förderung der Jugendpartizipation, die gesunde Entwicklung der Jugend oder die Vertretung der legitimen Rechte und Interessen von Kindern und Jugendlichen. In diesem Zusammenhang führt der ACJV Programme und Aktivitäten in den Bereichen Beschäftigung, Kultur und Sport, Jugendbeteiligung, Freiwilligendienste und Umweltschutz durch. Darüber hinaus werden Fortbildungen zu den Themen Schutz der Rechte und Interessen von Kindern und Jugendlichen, Wissenschaft und Technik angeboten.

Zu den vom Allchinesischen Jugendverband betriebenen Einrichtungen gehören etwa 5000 Jugendpaläste, 1800 städtische und 4000 kommunale Jugendzentren sowie knapp 650 Arbeitsvermittlungszentren für Jugendliche. 

Durch seine Mitgliedsstruktur ist der Allchinesische Jugendverband für etwa 300 Millionen Jugendliche zuständig, die sich überwiegend aus etwa 130 Millionen Jungen Pionieren – der Kinderorganisation der Kommunistischen Partei Chinas (Kinder im Alter von 7-14 Jahren) – und 80 Millionen Mitgliedern der Kommunistischen Jugendliga (Jugendliche im Alter von 14-28 Jahren) zusammensetzen. 

Quellen:
All-China Youth Federation/China Youth and Children Research Center: China Youth Report (1995-2004).
Selbstdarstellungsbroschüre des Allchinesischen Jugendverbandes aus dem Jahr 2005.

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Kinder mit roten Fahnen.
Kinder mit roten Fahnen.Bild: BM10777 / pixabay.com

Jugendverbandsarbeit

Überblick über die Strukturen der Jugendverbandsarbeit
Da sich die Rolle und der Stellenwert von nicht-staatlichen Organisationen in Deutshcland und in China stark unterscheidet, können deutsche Vorstellungen von Jugendverbänden nicht einfach mit Jugendorganisationen in China gleichgesetzt werden.

In China waren Nichtregierungsorganisationen (NGOs) im westlichen Sinne bis in die 1980er Jahre hinein verboten. Stattdessen gab es die parteinahen Massenorganisationen. Auch heute bilden diese Massenorganisationen noch einen wichtigen Bestandteil der chinesischen Politik, da sie als "Transmissionsriemen" zwischen Partei und Gesellschaft fungieren. Es gibt rund 2000 nationale Massenorganisationen, darunter etwa 200, die Geldzuweisungen vom Staat erhalten. Unter diesen 200 Organisationen erfreuen sich der Allchinesische Gewerkschaftsbund, der Allchinesische Frauenverband und - für den Jugendbereich - die Kommunistische Jugendliga eines speziellen politischen Status, der ihnen recht großen Einfluss auf die Gesellschaft gewährt.

Mit dem Wandel des politischen Klimas hat sich der NGO-Sektor in China recht schnell entwickelt. Dabei entstanden auch Organisationen, die nach chinesischem Verständnis als NGO betrachtet werden, aus westlicher Sicht aber zu staatsnah sind und deshalb häufig als GONGOs (Government-Organised NGOs) bezeichnet werden. Dazu wird beispielsweise auch die Stiftung zur Entwicklung der chinesischen Jugend gezählt (siehe Kapitel Kinder- und jugendpolitische Einrichtungen und ihre Kompetenzen ). Daneben entwickelten sich in den letzten Jahren viele Organisationen, vor allem auf lokaler Ebene, die von engagierten Bürger(inne)n gegründet wurden (grassroots organisations) und gerade auch Jugendliche ansprechen.

Kommunistische Jugendliga
Die größte und einflussreichste Jugendorganisation Chinas ist die Kommunistische Jugendliga (China Youth Connection, http://en.youth.cn). Sie wurde 1920 als Sozialistische Jugendliga gegründet und erhielt nach mehreren Namensänderungen 1957 ihren heutigen Namen. Sie ist der Jugendverband der Kommunistischen Partei Chinas, in dem rund 75 Millionen Jugendliche im Alter zwischen 14 und 28 Jahren Mitglied sind. Die Kommunistische Jugendliga war ursprünglich eine Eliteorganisation, welche die Nachwuchskräfte bzw. zukünftigen Führungskräfte der Kommunistischen Partei Chinas vorbereitete. Somit waren anfangs die "fortschrittlichen" Jugendlichen ihre Hauptzielgruppe. Heute zählen jedoch auch benachteiligte Jugendliche zu ihrer Zielgruppe.

Laut ihrer Satzung verfolgt die Kommunistische Jugendliga unter anderem folgende Ziele: 

  • Umsetzung der Grundsätze der Kommunistischen Partei,
  • die jungen Menschen in China zu vereinen und sie bei der Befolgung der vier Kardinalprinzipien der Kommunistischen Partei anzuleiten,
  • Förderung der Entwicklung produktiver Kräfte und des sozialen Fortschritts sowie 
  • Heranziehung von Nachwuchs für die Kommunistische Partei Chinas. 

Die Kommunistische Jugendliga unterstützt nach eigenen Angaben das Programm der Kommunistischen Partei und gründet ihr Handeln auf den Marxismus-Leninismus, die Gedanken Mao Zedongs und die Theorien Deng Xiaopings. Dabei besteht eine enge Verbindung zwischen der Kommunistischen Jugendliga und ihrer "Erwachsenenorganisation". Viele Führungspersonen in der Kommunistischen Partei und der chinesischen Regierung hatten zuvor einen Führungsposten in der Jugendliga inne, unter ihnen auch der derzeitige chinesische Staatspräsident Hu Jintao. Jedoch spielt die Kommunistische Jugendliga nicht mehr die Rolle im politischen System der Volksrepublik China, die sie noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts innehatte.

Die Kommunistische Jugendliga verfügt über eine vertikale Organisationsstruktur: Auf nationaler Ebene gibt es die Zentrale in Peking, auf der Provinz-, der Stadt- und der lokalen Ebene sind Basisorganisationen in Form von "Komitees der Jugendliga" in ganz China organisiert. Die Strukturen der Kommunistischen Jugendliga sind sowohl in Schulen und Hochschulen als auch in Betrieben fest angesiedelt, das heißt die "Komitees der Jugendliga" sind sowohl ins Bildungssystem als auch in fast jeder Berufsbranche verankert. 

Höchstes Entscheidungsgremium der Kommunistischen Jugendliga ist der Nationalkongress, der alle fünf Jahre tagt. Zwischen den Sitzungen übernimmt das vom Nationalkongress gewählte Zentralkomitee die Beschlussfassung und gestaltet die Arbeit der Liga. Zur Wahrnehmung der verschiedenen Aufgaben unterhält die Liga eine Geschäftsstelle. Zwischen der Kommunistischen Jugendliga und dem Allchinesischen Jugendverband besteht eine enge Verflechtung - Siehe hierzu auch das Kapitel Kinder- und jugendpolitische Strukturen.

Junge Pioniere
Die nationale Kinderorganisation Chinas sind die Jungen Pioniere. Es handelt sich dabei um eine Massenbewegung, die sich an Kinder zwischen 7 und 14 Jahren richtet und von der Kommunistischen Jugendliga geleitet wird. Jedes Kind in dem entsprechenden Alter ist automatisch Mitglied der Organisation. Die Jungen Pioniere sind das chinesische Pendant der Pionierbewegungen, die in vielen anderen kommunistischen Ländern existieren oder existierten. Kennzeichen der Jungen Pioniere Chinas ist ein rotes Tuch, das um den Hals gebunden wird.

Die Jungen Pioniere spielen eine wichtige Rolle bei der Organisation von außerschulischen Aktivitäten für Kinder. Ihre Hauptfunktion ist es, Kinder zur Teilnahme an Gemeinschaftsaktivitäten und -diensten zu motivieren. Allerdings sehen viele Schüler/-innen und Eltern "die Mitgliedschaft [bei den jungen Pionieren] als unvermeidliche Formalität an oder aber als Gelegenheit zu mehr oder weniger unterhaltsamen Gruppenaktivitäten." (Quelle: Heilmann, Sebastian: Das politische System der Volksrepublik China. Wiesbaden, 2004. S.83.)

Der Verband ist sehr stark strukturiert. Jede Schule bzw. jedes Dorf verfügt über eine Brigade, die wiederum in Schwadronen und Gruppen unterteilt ist. Die Schwadronen korrespondieren in der Regel mit einer Schulklasse, die Gruppen setzen sich aus etwa fünf Schüler(inne)n zusammen. Landesweit gibt es rund 530 000 Brigaden und 15 Millionen Schwadronen. Die erwachsenen Gruppenleiter/-innen stammen entweder aus der Kommunistischen Jugendliga oder der lokalen Lehrerschaft. Höchstes Entscheidungsgremium der Jungen Pioniere ist das Nationalkomitee, das alle fünf Jahre tagt.

Überregionale Jugendverbände 

Neben der Kommunistischen Jugendliga sind derzeit 15 weitere landesweite Jugendorganisationen im Allchinesischen Jugendverband Mitglied:

  • der Allchinesische Studierendenverband (All-China Students’ Federation – ACSF) 
  • die Chinesische Gesellschaft für Jugendkriminalitätsforschung (Chinese Society for Juvenile Delinquency Research – CSJDR) 
  • die Chinesische Gesellschaft für Jugendstudien (Chinese Society for Juvenile Studies - CSJS) 
  • die Chinesische Jugendgesellschaft zur Förderung der Industriellen Entwicklung (Chinese Youth Society for Promoting Industrial Development – CYSPID) 
  • der Chinesische Jugendverband für Netzwerkentwicklung (Chinese Youth Association for Network Development – CYAND) 
  • der Chinesische Verband Junger Arbeiter/-innen in Wissenschaft und Technologie (Chinese Association of Young Science and Technology Workers - CAYSTW) 
  • der Chinesische Verband Junger Freiwilliger (Chinese Young Volunteers Association - CYVA) 
  • der Chinesische Verband Junger Städtischer Unternehmer/-innen (Chinese Association of Young Township Entrepreneurs - CYTE) 
  • der Chinesische Verband Junger Unternehmer/-innen (Chinese Association of Young Entrepreneurs – CAYE) 
  • der Chinesische Verband von Instituten der Jugendarbeit (Chinese Association of Youth Work Institutes – CAYWI) 
  • der Chinesische Christliche Verein Junger Frauen (Chinese Association of YWCAs
  • der Chinesische Christliche Verein Junger Menschen (Chinese Association of YMCAs
  • der Jugendpresseverband Chinas (China Youth Press Association – CYPA
  • der Hauptverband Junger Herausgeber/-innen und Journalist(inn)en (Capital Youth Association of Editors and Journalists – CYAEJ) 
  • der Verband Nationaler Jugendzentren/-paläste Chinas (China National Youth Palace Association – CNYPA) 

Zu einigen der aufgeführten Verbände sind auf der Website der China Youth Connection Kurzbeschreibungen auf Englisch zu finden.

Quellen:

  • "GONGOs" are here to stay, but need to reform and open up", in China Development Brief vom 19. April 2008.
  • Datong, Li: China's Youth League faction: incubus of power? (letzter Zugriff 14. Mai 2014)
  • Heilmann, Sebastian: Das politische System der Volksrepublik China. Wiesbaden, 2004. S.83.

Offene (Öffentliche) Jugendarbeit

Die Konzepte von Jugendarbeit in China und Deutschland sind nicht gleichzusetzen. In China spielt die Schule eine zentrale Rolle im Leben von Kindern und Jugendlichen und die Ganztagsschule strukturiert deren Alltag. Aufgaben der non-formalen Bildung werden häufig von Schule übernommen und außerschulische Angebote werden im Kontext von Schulen organisiert. Viele Schulen sind damit überlastet. Der Ausbau des außerschulischen  Angebots steht daher zunehmend im Fokus u.a. auch um junge Menschen zu motivieren, beispielsweise durch freiwilliges Engagement, Verantwortung zu übernehmen.

Darüber hinaus gibt es spezielle Einrichtungen für außerschulische Bildungsangebote. In China gibt es in fast jeder Gemeinde mindestens eine Freizeiteinrichtung für junge Leute. Vor allem die Jugendpaläste in den Großstädten spielen eine wichtige Rolle bei der Organisation von außerschulischen Aktivitäten im Bereich Kunst, Musik, Literatur und Sport insbesondere an Wochenenden und in den Ferien. Zu den vom Allchinesischen Jugendverband (ACJV) betriebenen Einrichtungen gehören etwa 5000 Jugendpaläste, 1800 städtische und 4000 kommunale Jugendzentren, die Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung bieten sowie mit ihren Angeboten der Entwicklung gesellschaftlicher Werte junger Menschen, der Erziehung und der kulturellen Bildung dienen. Es stehen auch Sozialarbeiter zur Verfügung. In den Städten entstehen riesige moderne Komplexe mit Räumlichkeiten für Aktivitäten in den Bereichen Kunst, Musik, Sport etc.. Die Zielgruppe dieser Jugendpaläste sind 14- bis 35-Jährige.

Im außerschulischen Bildungsbereich liegen die Schwerpunkte des ACJV im Bereich des Ausbaus des Kultur- und Freizeitangebots für junge Menschen sowie auf der sozialen Seite der Bildung. Kommerzielle Organisationen bieten in den Ferien bzw. an den Wochenenden Sommer- und Wintercamps sowie Nachhilfekurse und Hausaufgabenbetreuung an. (Zu den Sommercamps siehe auch in der Rubrik Internationale Jugendarbeit und Mobilität.)

Jugendinformation

Zwei Jugendliche mit Handy.
Zwei Jugendliche mit Handy.Bild: tookapic / pixabay.com

Struktur der Jugendinformation
Bis Anfang der 1980er Jahre erhielten Jugendliche in China Informationen zu Themen wie Berufswahl und Aufklärung hauptsächlich auf zwei Wegen: 

  • über die Kommunistische Jugendliga und ihre Basisorgane auf Provinz-, Stadt- und Stadtteilebene sowie in jeder Schule und Hochschule; 
  • über das danwei-System. 

Beim danwei-System handelt es sich um die Arbeitseinheiten, in denen die Bevölkerung zur Zeit der Planwirtschaftszeit organisiert war. Die danwei waren nicht nur Produktionseinheit, sondern fungierten auch als soziale Gemeinde, politisches Gefüge und Lebensgemeinschaft. Im Zuge der Reform der Arbeitsorganisation hat das danwei-System allmählich an Bedeutung verloren, während gleichzeitig die Kommunen (she qu) bzw. die kommunalen Dienste eine immer wichtigere Rolle spielen. 

Vor diesem Hintergrund versucht die Kommunistische Jugendliga seit einigen Jahren, Jugendpaläste auf kommunaler Ebene aufzubauen. Seit 2003/2004 entstanden zahlreiche Jugendpaläste in den städtischen und ländlichen Kommunen. Sie verfügen zwar offiziell über einen nicht-staatlichen Status, unterliegen jedoch der Leitung und Aufsicht der Kommunistischen Jugendliga.

Die von den Jugendpalästen angebotenen Programme gliedern sich in folgende Bereiche: Schutz der Jugendrechte, Jugendaktivitäten (Sport und Kultur) sowie Information und Beratung.

Spezifische Aufklärung zu Fragen der Gesundheit, Drogen und HIV/AIDS erhalten die Jugendlichen zudem bei den Basisorganen des Gesundheitsministeriums, des Allchinesischen Frauenverbandes, des Ministeriums für Zivilangelegenheiten sowie bei zahlreichen Nichtregierungsorganisationen (in China auch als Grasswurzelorganisation bezeichnet).

Mit dem zunehmendem Problem der Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolvent(inn)en und Wanderarbeiter(inne)n spielt seit einigen Jahren die Informationen und Beratung über Berufswahl, Praktika und Existenzgründung für Jugendliche eine immer größere Rolle. Im Februar 2009 hat die Kommunistische Jugendliga in Peking deshalb das Beratungsprogramm "Informationen über Praktikumsplätze und -stützpunkte für Jugendliche" gestartet. Zielgruppen sind Hochschulabsolvent(inn)en sowie arbeitslose Jugendliche und junge Wanderarbeiter/-innen. Unter anderem wurde eine Online- und Telefonberatung eingerichtet, die Informationen und Beratung über 260 Praktikumsstützpunkte und 6300 Praktikumsplätze für Jugendliche anbietet.

Der Allchinesische Jugendverband verfügt mit der China Youth Press und der China Children Publishing and Press Group über zwei Verlagshäuser, über die er Zeitungen und Magazine herausgibt, darunter die Tageszeitung China Youth Daily mit einer täglichen Auflage von 1,2 Millionen Exemplaren und das Magazin China Youth mit einer monatlichen Auflage von 400 000 Exemplaren.

Ebenso wie in Deutschland ist der Umgang mit dem Internet für junge Menschen eine Selbstverständlichkeit und aus dem alltäglichen Leben nicht mehr wegzudenken. In den meisten Gegenden Chinas hat das Internet bei Jugendlichen Fernsehen und Zeitungen als beliebtestes Medium verdrängt.

Es gibt aber nur wenige Webseiten, die speziell auf Kinder und Jugendliche zugeschnittene Informationen anbieten. Diese Lücke schließt die Jugendwebseite, die der ACJV unter en.youth.cn betreibt. Die Seite wurde 1999 gegründet und ist zu 100 % von der chinesischen Regierung finanziert. Die Webseite fördert auch den Kontakt und die Kommunikation chinesischer Studierender mit anderen Studierenden weltweit – 7 % sind internationale Nutzer. So gibt es auch eine englische und eine französische Version, die sich in den Inhalten und Informationen jedoch von der chinesischen Version unterscheidet. Die Webseite wurde insbesondere auch für die Netzwerkbildung im Rahmen des Europäisch-Chinesischen Jahrs der Jugend 2011 genutzt. Bislang bietet die Webseite lediglich Informationen an, der Ausbau zu einer interpersonellen Kommunikationsplattform ist geplant.

Internationale Kooperationen
Im Jahr 2007 haben das Medieninstitut der Qinghua-Universität in China und die Agentur für Wirtschaftsnachrichten in Japan gemeinsam eine Onlinestudie über den Umgang von chinesischen und japanischen Jugendlichen mit Medien durchgeführt. 1200 Jugendliche im Alter von 20 bis 29 Jahren in Peking, Shanghai, Tokio und Osaka wurden dafür online befragt. Laut den Ergebnissen dieser Studie ist das Internet das am stärksten genutzte Medium chinesischer Jugendlicher. Durchschnittlich verbringen sie etwa fünf Stunden pro Tag im World Wide Web. Andere häufig genutzte Medien sind das Handy, der Fernseher und Zeitungen. Das Fazit dieser Untersuchung lautet: Der Abhängigkeitsgrad chinesischer Jugendlicher von Internet und Handy ist höher als der japanischer Jugendlicher. Darüber hinaus hat die Studie gezeigt, dass chinesische Jugendliche ein zu hohes Vertrauen in Internetinformationen setzen. Die Förderung der Medienkompetenz und der Schutz vor den negativen Wirkungen der neuen Medien werden deshalb als eine große Herausforderung für die Zukunft gesehen.

Quellen:

  • Cui, Baoguo; Wang, Shirong: "Untersuchungsbericht über die Situation der Mediennutzung der Jugendlichen in China und Japan", in: Medien Journalist 10/2007. (chinesischsprachige Quelle)
  • Zhang, Wei: Sozialwesen in China. Hamburg, 2005. S.52ff.
  • http://www.bjyouth.gov.cn/gzdt/246733.shtml (Abruf: 16. Februar 2009)

Hinweis: Dieses Kapitel wurde von Dr. Wei Zhang verfasst.

Impressum
ImpressumBild: MIH83 / pixabay.com

Impressum - China

Die Länderinfos zu CHINA wurden zusammengestellt von: IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. in Zusammenarbeit mit Dr. Wei Zhang und Ting Wang.

Letzte Aktualisierung: wird derzeit überarbeitet, Fertigstellung ca. Mai 2018

Kontakt: dija@ijab.de