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In unserem Haus

Rollenspiel, bei dem sich die Teilnehmenden mit Konflikten zwischen Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund auseinander setzen und Lösungen dafür entwickeln.

Kategorien

Migration

Zielgruppe

Jugendliche und/oder Fachkräfte

Gruppengröße

Minimal 10 und maximal 25 Personen

Dauer

1 ½ bis 2 Stunden

Ziele

Die Teilnehmenden analysieren ihre Einstellungen gegenüber Menschen mit einem anderen kulturellen oder sozialen Hintergrund. Sie entwickeln Lösungsstrategien und reflektieren über die Grenzen der Toleranz sowie über das Verhältnis zwischen Diskriminierung und Interessenkonflikt.

Rahmenbedingungen

Ein ausreichend großer Raum.

Vorbereitung

  • Eine ausreichende Anzahl an Kopien erstellen.
  • Ggf. eine kleine Bühne für die Rollenspieler/-innen vorbereiten, so dass alle Beobachterinnen und Beobachter einen guten Blick auf die Szenerie haben.

Ablauf

Erzählen Sie der Gruppe, dass sie ein Rollenspiel zu eine Situation durchführen werden, mit der jeder und jede im Alltag konfrontiert werden kann, und lesen Sie Folgendes vor:

„Es gibt ein Wohnhaus ganz in eurer der Nähe. In einer der Wohnungen dort leben vier ausländische Student(inn)en, die häufig Besuch von Zuhause haben und regelmäßig Partys organisieren. Einige Nachbarn, vor allem die, die in der Nachbarwohnung leben, beschweren sich über den Lärm, wegen dem sie nicht schlafen können, und dass die Student(inn)en sich nicht um das Gebäude kümmern. Nun sind alle Bewohner/-innen des Hausen zu einer Versammlung zusammengekommen, um dieses Problem zu lösen.“

Bitten Sie Freiwillige, die Rollen der Nachbar(inne)n zu spielen. Sie benötigen mindestens sechs und maximal neun Spieler/-innen. Der Rest der Gruppe fungiert als Beobachter/-innen.

Teilen Sie die Kopien der Rollenbeschreibungen unter den Spieler(inne)n auf und verteilen Sie die Hinweise für die Beobachter/-innen an den Rest der Gruppe. Geben Sie den Teilnehmenden 5 Minuten Zeit, um sich mit ihrer Rolle auseinander zu setzen.

Erinnern Sie die Spieler/-innen daran, dass es das Ziel dieses Rollenspiels ist, zu einer Problemlösung zu gelangen und geben Sie das offizielle Zeichen für den Start.

Lassen Sie die Diskussion etwa 10 Minuten laufen und verteilen Sie dann an die Spielerinnen und Spieler, ohne diese zu unterbrechen, Kopien der „Tipps zur Lösungsfindung“. Danach sollte das Rollenspiel etwa 10-15 Minuten fortgesetzt werden. Sollten die Spieler/-innen zu einer Lösung des Problems kommen, ist das Spiel beendet. Sie können das Spiel aber auch früher unterbrechen, sollten Sie es für notwendig halten.

Material

  • Kopien der Rollenbeschreibungen, der Hinweise für die Beobachter/-innen sowie des Blattes „Tipps zur Lösungsfindung“ (siehe Download)
  • Stifte und Papier für die Beobachter/-innen

Auswertung

Bitten Sie die Teilnehmenden, in einer großen Runde zusammenzukommen, um das Rollenspiel auszuwerten. Die Diskussion sollte aus zwei Teilen bestehen:

1. Analyse des Rollenspiels

Sprechen Sie mit der Gruppe darüber, was während des Rollenspiels geschehen ist. Dabei können Sie sich an folgenden Fragen orientieren:

  • Was haben die Beobachter/-innen notiert und was waren ihre Eindrücke von dem Geschehen?
  • Wie haben sich die Spieler/-innen gefühlt? War es schwierig, sich in die Rolle einzufinden, die sie gespielt haben? Was fanden sie am schwierigsten, was am einfachsten?
  • Haben die Teilnehmenden einen Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Teil des Rollenspiels (vor und nach dem Verteilen der „Tipps zur Lösungsfindung“) bemerkt.
  • Welche Argumente wurden von den Spieler(inne)n vorgebracht? Basierten Sie auf Fakten, Vernunft oder Emotionen?
  • War es einfacher Argumente für oder Argumente gegen die ausländischen Student(inn)en zu finden? Woher haben die Spieler/-innen ihre Argumente genommen?
  • Wurde das Problem gelöst? War jeder/jede mit dem Ergebnis zufrieden?
  • War es eine faire Lösung oder musste eine Seite mehr aufgeben als die andere? Welche alternativen Lösungen wären vorstellbar gewesen.

2. Analyse der Situation im realen Leben

Im zweiten Teil der Auswertung geht es um die Analyse und Reflektion der Themen, die in dem Rollenspiel behandelt werden. Sie können sich bei der Anleitung der Diskussion an folgenden Fragen orientieren:

  • Hat das Rollenspiel eine Situation im realen Leben widergespiegelt? Was waren die Ähnlichkeiten? Was die Unterschiede? Wirkte etwas übertrieben?
  • Welcher der Charaktere hat am glaubwürdigsten die üblichen Einstellungen in unserer Gesellschaft widergespiegelt?
  • Wenn wir mit einem Konflikt konfrontiert sind, bei dem Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen involviert sind, suchen wir nach einer Lösung, die jede/-n zufrieden stellt, oder versuchen wir eher, der anderen Seite unsere Sichtweise aufzudrängen und vernachlässigen die Wünsche und Bedürfnisse derjenigen, die anders denken und fühlen als wir?
  • In welchem Umfang basiert der Konflikt wirklich auf Unterschieden zwischen den Kulturen? Welche Rolle spielen persönliche und wirtschaftliche Interessen?
  • Hat jemand von euch einen solchen Konflikt schon einmal erlebt? Was waren die Umstände? Wenn ihr einen solchen Konflikt noch nicht erlebt habt, woran liegt das?

Hinweise

Achten Sie genau darauf, was während des Rollenspiels passiert, da dies beeinflussen wird, wie Sie die Übung weiter anleiten. So kann es passieren, dass Sie die „Tipps zur Lösungsfindung“ nicht einsetzen müssen. Bei der Auswertung sollten Sie entscheiden, wie Sie die Diskussion zur Analyse des Rollenspiels (Gruppendynamik, Entscheidungsprozesse) und den Bezug zur Wirklichkeit gewichten.

Beachten Sie, dass es zwei verschiedene Version der „Tipps zur Lösungsfindung“ gibt. Karte 1 ist für den/die Leiter/-in bzw. Moderator/-in des Treffens, Karte 2 für die restliche Spieler/-innen. Wem Sie Karte 1 geben, hängt davon ab, was in dem Rollenspiel bislang geschehen ist. Ist bereits demokratisch entschieden worden, welche Person das Treffen leitet, so sollte diese die Karte erhalten. Andernfalls geben Sie die Karte dem/der Vorsitzenden des Nachbarschaftskomitees.

Problemlösungs- und Entscheidungsprozesse sind schwierig. – Menschen benötigen gute Kommunikationsfähigkeiten, müssen sensibel auf die Bedürfnisse anderer reagieren und über Vorstellungskraft und Vertrauen verfügen. Es ist einfacher, wenn Menschen sich über ihre Interessen streiten und versuchen, eine gemeinsame Basis oder einen Konsens zu finden, der beiden Seiten Vorteile bietet. Leider ist es häufig so, dass Menschen aus einer bestimmten Position heraus argumentieren, die sie nur ungern aufgeben, so dass am Ende jeder das Gefühl hat, mehr verloren als gewonnen zu haben.

Es ist wichtig, dass Sie bei der Auswertung versuchen, der Gruppe deutlich zu machen, dass man unterscheiden muss zwischen Einstellungen, die wir gegenüber Ausländer(inne)n und Menschen, die anders sind, einnehmen und der Art und Weise, wie wir in konkreten Alltagssituationen mit Problemen umgehen.

Mögliches Follow-up: Bitten Sie die Teilnehmenden darum, vor dem Hintergrund dessen, was sie in der Übung gelernt haben, praktische Vorschläge zu entwickeln, wie man das Verhältnis zwischen verschiedenen Gruppen, die in einer Gemeinde zusammenleben, verbessern kann. Setzen Sie die Vorschläge gemeinsam mit der Gruppe um.

Quelle

Europarat: Education Pack - Idea, resources, methods and activities for informal intercultural education with young people and adults, Straßburg 2005.