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Fest der Subkulturen

Festgestaltung mit inter(sub-)kulturellen Elementen, Rollenspiel

Kategorien

Vom ICH zum WIR

Zielgruppe

Jugendliche, Erwachsene

Gruppengröße

Mindestens 20 Personen

Dauer

Mit Vorbereitung/Einstimmung der Subkulturen: 4 - 5 Stunden

Ziele

  • Erfahrungsfeld sozialer Kontraste und Übereinkünfte bieten
  • Wichtigkeit des Zusammengehörigkeitsgefühls in Gruppen verdeutlichen
  • Bewusstmachen von Vorurteilen

Rahmenbedingungen

Räumlichkeiten mit entsprechender Kapazität

Vorbereitung

  • Jede/-r Teilnehmende erhält ein Los (siehe unten); jede Subkultur sollte etwa gleich viele Vertreter/-innen haben; Wichtig: die Lose bereits mit den Einladungen zum Seminar zuschicken, damit die Teilnehmenden sich „vorbereiten“ können
  • Mit dem Tagungshaus muss im Vorfeld das Menü inklusive Getränke für den Abend abgesprochen werden; ebenso ist es von Vorteil, wenn das Küchenpersonal des Hauses sich bereits vorher auf eventuell spontane Einfälle der Teilnehmenden einstellen kann.
  • (Ver-)Kleidung, Schminke, Musik, Dekorationsmaterial usw. mitnehmen (kann eventuell auch vom Haus zur Verfügung gestellt werden)
  • „Einweihung“ der Oma
  • Eventuell ein „Typberatungsstudio“ einrichten

Ablauf

Das Feiern ist ein sehr wichtiges Element in internationalen Maßnahmen. Deshalb wird mit der Gruppe ein Fest mit dem Motto „Oma Krause hat Geburtstag“ gestaltet.

Ablauf

  1. Kurze Einleitung (Hinweis auf Lose), Vorstellung der Ausgangssituation, Aufgabe der Familienzweige
  2. Einstimmungsphase
  3. Durchführung
  4. Auswertung

Die AusgangssituationFamilie Krause hat sich über Jahrzehnte hinweg aus den Augen verloren. Nun wird Oma Krause 80 Jahre alt. Aus diesem Anlass scheuen die Familienmitglieder weder Kosten noch Mühen, aus allen Teilen der Welt zusammenzukommen und gemeinsam mit Oma ein rauschendes Fest zu feiern.Tipp: Während der/die Spielleiter/-in die „Regeln“ erklärt, kann Oma (natürlich in entsprechendem Outfit...) bereits ihren ersten Auftritt haben, indem sie kurz in den Raum platzt und aus Vorfreude auf das Fest schon ganz aufgeregt ist...

Aufgabe der Familienzweige

Jeder Familienzweig (Yuppies, Kleinbürger, Halbweltler und Ballermänner) ist für einen bestimmten Teil des Festes verantwortlich. Verantwortlich heißt:

  • Dekoration der eigenen Ecke im Raum
  • für musikalische Unterhaltung sorgen
  • Gestaltung des „kulinarischen“ Beitrags
  • „kulturspezifische“ Programmeinlage
  • Gastfreundschaft zum Ausdruck bringen
  • sich entsprechend (ver-)kleiden

Dabei sind der Phantasie der Teilnehmenden keinerlei Grenzen gesetzt.

Die Einstimmungsphase

Nachdem der Spielablauf erklärt wurde, finden sich die Familienmitglieder in ihrer Subkultur zusammen und überlegen gemeinsam, wie sie ihren Teil des Abends gestalten möchten.

Diese Phase sollte nicht zu kurz sein, damit sich die Familienzweige in ihre Rollen einfühlen können. Oftmals sind auch noch kleine Einkäufe (z.B. Geschenk für Oma) zu erledigen.

Tipp: Falls ein „Typberatungsstudio“ eingerichtet wird, sollte dies im Laufe der Vorbereitungen öffnen. Öffnungszeit kann bei der Spieleinführung mitgeteilt werden.

Die Durchführung

Zur verabredeten Zeit treffen alle Familienzweige im „Speisesaal“ (oder Partykeller) zusammen und das Fest kann beginnen!

Wichtig: Für das Fest sollte ein konkreter Zeitrahmen festgelegt und ausdrücklich durch die Oma beendet werden. Am Ende des Festes sollte explizit darauf hingewiesen werden, dass jede/-r nun die Gelegenheit hat, sich umzuziehen und eventuell deutlich kundzutun, dass er/sie ab sofort nicht länger „xy“ ist.

Material

  • (Ver-)Kleidung
  • Schminke
  • Musik
  • Dekorationsmaterial

Auswertung

Die Festauswertung erfolgt in 4 Kleingruppen, die durch Losverfahren gebildet werden. Man kann sich aber auch so verteilen, dass sich in jeder Gruppe jeweils ein Vertreter bzw. eine Vertreterin aus jeder Subkultur befindet.

In den Arbeitsgruppen erfolgte die Auswertung anhand unterschiedlicher Fragestellungen aus verschiedenen Blickwinkeln:

1. Persönlicher Blickwinkel

  • Was war Dir beim Familienfest unangenehm? Womit hast Du Dich unwohl gefühlt? Was hat Dich irritiert oder geärgert? vielleicht auch verletzt? (Auch die kleinen, leisen Irritationen sind von Bedeutung!)
  • Wie geht es Dir jetzt damit?

2. Inhaltlicher Blickwinkel

  • Was davon lässt sich auf internationale Begegnungen übertragen?

3. Didaktischer Blickwinkel

  • Was lässt sich zur Vorbereitung eines Gruppenfestes aus dem gestrigen Abend (samt Einstimmung, Vorbereitung) lernen?


Die Arbeit in den Kleingruppen sollte

  • im kleinen Rahmen jedem die Möglichkeit bieten, nochmals zum Thema ’Fest’ zurückzukehren und auch persönliche Befindlichkeiten loszuwerden;
  • Impulse/Anstöße bieten, sich bei Bedarf in der Großgruppe oder in anderen Konstellationen weiter auszutauschen.

Varianten

Die Subkulturen können natürlich beliebig erweitert oder auch verändert werden. Auch eine Übertragung von Subkulturen in ein interkulturelles Setting ist denkbar.

Hintergrund

Bei Schulungen für Betreuer/-innen von internationalen Jugendbegegnungen (im nationalen Rahmen) stellt sich oft das Problem, wie Sie Ihre Kursteilnehmer/-innen – sozusagen mit einer „Trockenschwimmübung“ – dennoch möglichst praxisnah auf das Zusammentreffen mit Menschen aus anderen Kulturen vorbereiten. (Wenn Sie in der glücklichen Lage sind, solche Schulungen mit internationaler Beteiligung durchzuführen, können Sie diesen Inhalt „live“ einbringen ... dennoch ist der hier geschilderte Ansatz auch dafür interessant!).

Im Wesentlichen geht es darum, Stichworte (wie zum Beispiel Enkulturation, Ethnozentrismus, kulturelle Norm usw.) „mit Leben zu füllen“ und den Umgang damit praktisch zu üben.

Dafür bietet sich die Methode des Simulationsspiels an, mit der in der Regel am Beispiel des Aufeinandertreffens von „Phantasie-Kulturen“ Mechanismen eines solchen Prozesses verdeutlicht werden können. Der besondere Effekt liegt unter anderem darin, dass dieses „Aufeinandertreffen“ auch emotional erlebt werden kann.

Zu viel dürfen Sie von dieser Laborsituation der internationalen Begegnung allerdings auch nicht erwarten ... es ist eben doch „nur“ eine Simulation – und die Realität der eigentlichen Begegnung mit Menschen aus realen Kulturen findet nicht statt. Als Kurseinheit in Schulungen jedoch ist ein (gut angeleitetes!) Simulationsspiel allemal geeignet.

Quelle

transfer e.V.