Toolbox Interkulturelles Lernen

Methodenbox Interkulturell

Methodenspeicher

Ihr Methodenspeicher ist leer.

Deutscher Abend

Übung zur (deutschen) Identität, Ländervorstellung

Kategorien

Vom ICH zum WIR

Zielgruppe

Jugendliche und Erwachsene

Gruppengröße

Die Teilnehmerzahl ist nach oben offen; mindestens 10 Teilnehmende sind empfehlenswert.

Dauer

Einen Abend (offenes Ende)

Ziele

  • Vorstellung Deutschlands während einer Jugendbegegnung
  • Bewusstmachung einiger Aspekte deutscher Identität

Rahmenbedingungen

Großer Seminarraum

Vorbereitung

  • Festlegung der „Schauplätze“ deutscher Geschichte
  • Vorbereitung der "Schauspieler/-innen"
  • Dekoration der Räumlichkeiten

Ablauf

Verschiedene wichtige Daten aus der deutschen Geschichte werden in einer Art Revue dargestellt. Zwei Personen spielen Zeitreisende, die an verschiedenen Schauplätzen der deutschen Geschichte eine Zwischenlandung machen. Ein „Nummerngirl/-boy“ hält jeweils eine Tafel mit der Zeitangabe und dem geschichtlichen Hintergrund hoch.Beispiel

31.10.1517: Anschlag der 95 Thesen von Martin Luther an die Schlosskirche in Wittenberg. Beginn der Reformation.

Die Zeitreisenden landen auf dem Wittenberger Marktplatz. Ein der Epoche entsprechend gekleideter Junge ruft ihnen zu: „Luther schlägt Thesen an die Kirchentür, seht nur!“ Im Hintergrund sieht man Luther die Thesen anschlagen.

Weitere mögliche Daten und Ereignisse

  • 1517: Nicolaus Kopernikus entdeckt das heliozentrische Sonnensystem
  • 1848: Märzrevolution
  • 1848: Verabschiedung der Reichsverfassung, als ein Versuch, ein geeinigtes Deutschland herzustellen
  • 1883 – 1889: Sozialgesetzgebung (Bismarck)

usw.

Bei der Darstellung sollte auch auf die Weltkriege eingegangen werden, aber nur als ein Teil der deutschen Geschichte.

Auch die neueren Daten sollen berücksichtigt werden, z.B. Deutschland wird Fußball-Weltmeister oder die Deutschen erfinden Techno.

Material

Variiert je nach Gestaltung des Abends, benötigt werden auf jeden Fall:

  • Verkleidungsmaterial
  • Dekorationsmaterial
  • Tafeln mit den ausgewählten Daten deutscher Geschichte

Auswertung

Die Auswertung erfolgt in der Regel innerhalb der seminarabschließenden Gesamteva­luation, die wiederum beliebig gestaltet werden kann. Bewährte Elemente sind unter anderem der Auswertungsparcour mit z.B. dem Baum der Erkenntnis, der Klagemauer, die Zielscheiben- oder Tortenmethode usw.

Varianten

Eine Reise durch die deutsche Musikgeschichte von Barock über die neue deutsche Welle bis hin zum Techno.

Hintergrund

Deutschland gilt als schwieriges Vaterland. Die Entwicklung eines nationalen Wir-Gefühls oder auch eines Nationalstolzes ist in Deutschland vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte sehr ambivalent – ambivalenter als dies in vielen anderen Staaten der Fall ist.

Wir-Gefühl bedeutet, sich einer Gemeinschaft zugehörig zu fühlen und diese als Person auch nach außen zu präsentieren. Wir-Gefühle sind bestimmt durch Selbst- und Fremdwahrnehmung, und diese Wahrnehmung kann je nach Kontext stark variieren. Sie sind latent vorhandene Orientierungen, deren Aktivierung begünstigt wird, wenn wir unsere gewohnte Umgebung verlassen, verreisen, ins Ausland gehen. Oft ist dann die erste Frage, woher man kommt. Die einen sind überrascht, sich vor allen persönlichen Merkmalen zuerst einmal als Deutsche/-r outen zu müssen. Andere betonen, man komme zwar aus Deutschland, verstehe sich aber als Europäer/-in. Wieder andere geben zu verstehen, man sei zwar aus Deutschland, wolle aber eigentlich nichts damit zu tun haben – und vermissen dann doch gerade im Ausland einen kollektiven Bezugspunkt. Und natürlich gibt es solche, die sich besonders im Urlaub in der demonstrativen Rolle der von Ausländer(inne)n so wahrgenommenen deutschen Überheblichkeit üben.

Mit der Wiedervereinigung sind diese ambivalenten Gefühle hinsichtlich des deutschen Wir-Gefühls nicht verschwunden, sondern eher stärker bzw. noch differenzierter geworden. Mentalität, (kulturelle) Identität, Kulturstandards, Stereotypen etc. sind zwar Begriffe, die jederzeit heftig diskutiert werden, aber aus dieser Diskussion ließen sich bisher kaum Handlungsmuster ableiten, die Leiter/-innen und Teilnehmer/-innen von internationalen Jugendbegegnungen einen unverkrampfteren Umgang mit diesem Thema ermöglichten.

 

Quelle

Heinze, P., Gundelach, M., Kästner, H.: Servicepaket Geschichte. Erster Teil des Readers zum Modellseminar „Du deutsch“. Erfurt 1997.

(Teil 2: Servicepaket Klischees; Stereotypen; Vorurteile von S. Kumpf, C. Durstewitz. Koblenz; Teil 3: Servicepaket Identität von Y. Mallmann, S. Schilz. Koblenz)