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Konstruktiv kritisieren

Gesprächssimulationen mit Rückmeldung zur Erprobung konstruktiver Kritikäußerungen

Kategorien

Konflikte & ihre Bearbeitung

Zielgruppe

Jugendliche und Multiplikatorinnen

Gruppengröße

Offen

Dauer

Insgesamt etwas über 1 Stunde.

Ziele

  • Für die unterschiedlichen Funktionen von Kritik sensibilisieren.
  • Eigene Kritikposition nach den vier Seiten des Nachrichtenquadrats reflektieren.
  • Einstieg in ein Konfliktklärungsgespräch zur konstruktiven Darlegung der eigenen Kritikposition einüben.

Rahmenbedingungen

Geeignet für ein Training zum Konfliktmanagement, genauer: zur konstruktiven Konflikt­klärung als selbst betroffene Interessenpartei.

Als bekannt vorausgesetzt wird das Modell des "Nachrichten-Quadrats" mit den vier Kommunikationsaspekten "Sache", "Beziehung", "Selbstkundgabe" und "Appell".

Es sollte ausreichend Platz vorhanden sein, um die Teilnehmer(inne)n zunächst in Tandems, dann in Vierergruppen zusammenarbeiten zu lassen.

Vorbereitung

  • Anleitungsblätter für alle Teilnehmer/-innen in der erforderlichen Stückzahl kopieren (siehe Download).
  • Flipchart mit Erläuterungen zum Ablauf der Tandem- und Kleingruppenübung schreiben.
  • Arbeitsplätze für die Tandem- und Vierergruppenarbeit bereitstellen.

Ablauf

Das Nachrichten-Quadrat wird mit Hilfe von farbigen Moderationskarten an einer Pinwand visualisiert und die vier Seiten nötigenfalls kurz rekapituliert.

Anhand der Folie "Vierseitige Kommunikation im Kritikgespräch" werden die Klärungsbedürfnisse des Kritik"senders" und des Kritik"empfängers" auf den vier Seiten erläutert.Die Leitfragen für konstruktive Kritikäußerung werden in der angegebenen Reihenfolge in der Abbildung ergänzt und an einem Beispiel erläutert:

  • Sache: "Um welche Sache geht es mir?"
  • Beziehung: "Was hat mich beim Anderen konkret gestört?"
  • Selbstkundgabe: "Wie ging es mir dabei? welche Folgen gab es für mich?"
  • Appell: "Was kann/soll der/die Andere verändern?"

Die Reihenfolge der vier Schritte wird durch Karten mit den Zahlen 1 bis 4 markiert und der Sinn dieses "Zickzack durchs Quadrat" erläutert: Eingrenzen des Kritikthemas, Ansprechen konkreter Beobachtungen, Verdeutlichen der eigenen Betroffenheit, Anbringen realistischer Veränderungswünsche.

Die Teilnehmer/-innen werden gebeten, sich in Tandems zusammenzufinden. Je zwei Tandems bilden eine Arbeitseinheit; falls eine ungerade Anzahl von Tandems resultiert, werden "überzählige" Teilnehmer/-innen auf die bestehenden Tandems verteilt.

Das Arbeitsblatt "Selbstklärung und 'vierseitige' Kritik" wird verteilt mit dem Hinweis, dass jeweils ein Tandempartner sich auf ein Kritikgespräch vorbereitet, während der oder die andere dabei als "Klärungshelfer/-in" konkretisierend nachfragt. Diese ca. 10-minütige Selbstklärung dient als Vorbereitung auf ein anschließendes Rollenspiel zur praktischen Erprobung.

Je zwei Tandems (bzw. Dreiergruppen) setzen sich zusammen und klären die Reihenfolge der Rollenspiele. Der/die "Kritiker/-in" beschreibt kurz, wer der Gesprächspartner ist und in welchem Rahmen das Kritikgespräch stattfindet, und wählt eine Person aus der anderen Gruppe als Rollenspielpartner – die übrigen Gruppenmitglieder sind Beobachter/-innen.

Es wird nur der Einstieg in das Kritikgespräch gespielt: Die Darstellung der Kritikposition nach den vier Seiten sowie eventuelle Nachfragen und erste Reaktionen des Gegenübers (maximal 3-5 Minuten).

Anschließend gibt zunächst der Rollenspielpartner Rückmeldung darüber, wie klar, nachvollziehbar, authentisch und annehmbar die Kritik "ankam", danach geben die Beobachter/-innen dazu Feedback, wie weit die vier Seiten angesprochen wurden und ihre Abfolge eingehalten wurde (insgesamt ca. 10-12 Minuten).

Danach folgt der zweite Durchgang mit Vorinformation, Gesprächseinstieg und Feedback.

Material

  • Präsentationsfolie "Vierseitige Kommunikation im Kritikgespräch" (siehe Download), Tageslichtprojektor oder Beamer
  • Vorbereitete Moderationskarten (siehe unten), Pinnwand und Nadeln
  • Anleitungsblätter für alle Teilnehmer/-innen (siehe Download)
  • Flipcharts mit vorbereitetem Ablaufplan und für Protokollierung der Auswertung

Auswertung

In einem anschließenden Plenumsgespräch werden hilfreiche Verhaltensweisen für das Geben und Annehmen von Kritik zusammengetragen und stichwortartig protokolliert. In international zusammengesetzten Gruppen sollte außerdem thematisiert werden, welche Elemente der "Kritik im Zickzack durchs Quadrat" kulturspezifisch sind und welche Abwandlungen in interkulturellen Kontakten notwendig sind.

Hinweise

Bei der Durchführung mit Gruppen aus unterschiedlichen Kulturkreisen sollten auch andere kulturspezifische Modelle der Kritikäußerung vorgestellt und praktisch erprobt werden.

Zeitplanung:

  • Kurzvortrag im Plenum zur inhaltlichen Einführung, Übungs­erläu­terung und Gruppeneinteilung (25 Minuten)
  • Tandemgespräch zur Selbstklärung der Kritik­position (10 Minuten)
  • Gesprächssimulationen und Feedback in Vierergruppen (30 Minuten)

Varianten

Wenn mehr Zeit zur Verfügung steht (45 Minuten für Rollenspiele und Feedback) und alle Teilnehmer/-innen Gelegenheit zum Üben haben sollen, kann die Gesprächsvorbereitung und -durchführung in Dreiergruppen erfolgen: Alle Teilnehmer/-innen bereiten sich in Einzelarbeit auf ein Kritikgespräch vor, danach folgen drei Rollenspiele mit jeweils anschließendem Feedback, wobei die Rollen "Kritiker/-in", "Kritisierte/-r" und "Beobachter/-in" in jedem Durchgang wechseln.

Quelle

Modell des Nachrichten-Quadrats nach F. Schulz von Thun: Miteinander reden: Störungen und Klärungen. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch 1981.

Methode: kronshage, bauer & partner, Hamburg