Kinder- und Jugendpolitik - Grundlagen und Strukturen - FI

Relevante Gesetze

Ein Mann trägt zwei Paragrafen.
Ein Mann trägt zwei Paragrafen.Bild: geralt / pixabay.com

Jugendarbeitsgesetz (1993)
Dieses Gesetz regelt die Arbeitsbedingungen für Jugendliche unter 18 Jahren. Danach darf ein/-e Jugendliche/-r ab dem Alter von 15 Jahren Vollzeit arbeiten, vorausgesetzt er bzw. sie hat die 9-jährige Gesamtschule abgeschlossen. Ab einem Alter von 14 darf man mit Einverständnis der Eltern und außerhalb der Schulzeiten leichten, stundenweisen Arbeiten nachgehen. Des Weiteren regelt das Gesetz die Arbeitszeit sowie besondere Sicherheits- und Gesundheitsvorgaben für jugendliche Arbeitnehmer/-innen.

Das finnische Recht kennt kein mit dem deutschen Jugendschutzgesetz vergleichbares Gesetz. Auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen bezogene Bestimmungen finden sich stattdessen in mehreren Gesetzen wieder. Die wichtigsten diesbezüglichen Gesetze neben dem oben genannten und dem Kinderhilfegesetz (siehe unten) sind:

  • das Alkoholgesetz,
  • das Gesetz über Maßnahmen zur Reduzierung des Rauchens,
  • die Verordnung über alkoholische Getränke und hochprozentigen Alkohol,
  • die Verordnung über Beherbergungsbetriebe und Gaststätten. 

Gesetz über die Jugendarbeit (2006) 
Das erste finnische Gesetz über die Jugendarbeit verabschiedete das Parlament 1972. Seitdem wurde es etwa alle zehn Jahre erneuert (1986, 1995, 2006). Das neueste Gesetz trat am 1. März 2006 in Kraft. In ihm werden die Ziele und Werte der Jugendarbeit und Jugendpolitik präzisiert. Darüber hinaus wird der Begriff der Jugendarbeit erweitert: Jugendarbeit umfasst nun nicht mehr allein die Förderung der aktiven Bürgerschaft und der sozialen Integration junger Menschen bis 29 Jahre, sondern auch die Förderung ihres Aufwachsens und ihrer Unabhängigkeit sowie den Dialog zwischen den Generationen. 

Als Leitlinien für die Umsetzung des Gesetzes werden folgende Punkte festgelegt: Gemeinschaftlichkeit und soziale Verantwortung, Gleichheit und Gleichberechtigung, multikulturelle Gesellschaft und Internationalität, gesunde Lebensführung sowie Respekt gegenüber der Umwelt und dem Leben. 

Das Gesetz sieht des Weiteren die Einführung eines Programms zur Entwicklung der Jugendpolitik vor, das alle vier Jahre aufgelegt werden soll. Es soll überregionale jugendpolitische Ziele sowie Umrisse für die jugendpolitische Programmarbeit der Provinzen und Kommunen enthalten (siehe zum aktuellen Programm das Kapitel „Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte“).

Auch die Jugendarbeit und -politik der Kommunen wird in dem neuen Gesetz präziser als bisher festgelegt und als zweckgerichtete Basisdienstleistung definiert, über deren Umsetzung die Kommunen selbstständig entscheiden. Darüber hinaus betont das Gesetz die Bedeutung der regionalen und berufsübergreifenden Zusammenarbeit zwischen den Kommunen.

Ein besonderer Fokus des neuen Jugendgesetzes liegt auf der Jugendpartizipation. Es legt fest, dass Jugendliche das Recht haben, an Verhandlungen über Fragen im Zusammenhang mit lokaler und regionaler Jugendarbeit und -politik teilzunehmen und dass sie bei sie betreffenden Angelegenheiten zu beteiligen sind. Dies stellt eine neue Herausforderung für die Kommunen dar, wird aber als ein wichtiger Bestandteil der Demokratieerziehung von Kindern und Jugendlichen gesehen.

Ergänzt wird das Jugendgesetz durch eine Regierungsverordnung. Sie enthält unter anderem die wichtigsten Erlasse über die Erstellung und Umsetzung des Entwicklungsprogramms für die Jugendarbeit, über die Zuwendungssysteme für Jugendorganisationen und die Bewilligung von Betriebs- und Investitionsbeihilfen für staatliche Jugendzentren. 

Kinderhilfegesetz (2008) 
Dieses Gesetz ersetzt das Kinderhilfegesetz von 1983, das nur einen Rahmen für die staatliche Kinderhilfe vorgab. Nach dem Gesetz gilt jede Person unter 18 Jahren als Kind und hat Anspruch auch ein sicheres und stimulierendes Umfeld und eine harmonische Entwicklung. Hierbei gab es im Vergleich zum alten Gesetz keine Veränderungen. Des Weiteren bestimmt das Gesetz sehr präzise die staatlichen Träger der Kinderhilfe als Verantwortliche für den Kindesschutz und regelt recht detailliert deren Aufgaben, Finanzierung etc. Darüber hinaus werden mit dem Gesetz neue staatliche Verpflichtungen sowie neue Methoden und Praktiken in die Kinderhilfearbeit eingeführt und die Bedeutung der Zusammenarbeit der verschiedenen kommunalen Behörden betont.

Als wichtiger Schwerpunkt der Kinderhilfe neben dem Kindesschutz und Kindeswohl wird die Partizipation von Kindern und Jugendlichen hervorgehoben. In einem ganzen Kapitel und mehreren neuen Abschnitten werden die Anhörungs- und Einflussrechte von Kindern bei sie betreffenden Verfahren definiert. Des Weiteren werden die Sozialarbeiter/-innen verpflichtet, immer direkt mit dem Kind zusammenzuarbeiten, um dessen Ansichten und Interessen angemessen vertreten zu können. Die Verpflichtung zur Beteiligung von Kindern im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe ist nicht neu, sondern war bereits Bestandteil des Gesetzes von 1983. Mit dem neuen Gesetz erhält sie aber verstärkte Bedeutung.

Das neue Kinderhilfegesetz legt darüber hinaus fest, dass die Gemeinden lokale Dienste für alle bedürftigen Kinder und deren Familien sicherzustellen haben. Dies bezieht sich beispielsweise auf finanzielle Unterstützung, Unterkünfte, Freizeitaktivitäten oder Beratungsangebote. So sind die Gemeinden verpflichtet, einen detaillierten Plan aufzustellen, in dem festgelegt ist, wie sie ihre Leistungen im Bereich der Kinderhilfe und des Kinderschutzes organisieren, überwachen und weiterentwickeln wollen. Diese Pläne müssen alle vier Jahre überarbeitet werden.

Weitere rechtliche Regelungen (Auswahl)

  • Alle Eltern haben ein Anrecht auf Tagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren. Sie können ihr Kind entweder in eine Kindertagesstätte der Gemeinde geben oder das Kind zu Hause betreuen. In letzterem Fall erhalten sie dann ein Kinderpflegegeld. Seit 1996 verfügen auch alle Eltern von Kindern, die älter als drei Jahre sind und noch nicht zur Schule gehen, über ein Recht auf eine Tagesbetreuung durch die Gemeinde. 
  • Jede werdende Mutter, die in Finnland gemeldet ist und deren Schwangerschaft mindestens 154 Tage andauert, hat Anrecht auf einen einmaligen Zuschuss vom Staat. Sie kann zwischen einer Einmalzahlung oder einem Mutterschaftspaket mit Artikeln zur Kinderpflege wählen. 
  • Gesetz über Kindergeld von 1992: Kindergeld wird für jedes Kind unter 17 Jahren gezahlt. Die Höhe des Kindergelds hängt von der Zahl der Kinder ab und soll etwa die Hälfte der Kosten, die durch das Kind entstehen, abdecken. Alleinerziehende erhalten pro Kind einen höheren Satz. 
  • 2004 trat das Gesetz über die Verwendung des Ertrags aus der Geldlotterie und Lotto- und Totospielen in Kraft. Die Mittel für Jugendarbeit sind dadurch um 37% gestiegen.
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Altersbezogene gesetzliche Bestimmungen

Kindes- und Jugendbegriff 

  • Kind (nach dem Kinderwohlfahrtsgesetz): 0-17 Jahre 
  • junge Person (nach dem Kinderwohlfahrtsgesetz): 18-20 Jahre 
  • junge Person (nach dem Jugendarbeitsgesetz): 0-29 Jahre 

Schulpflicht

  • Beginn der Schulpflicht: 7 Jahre 
  • Ende der Schulpflicht: 16 Jahre 

Mündigkeit

  • Strafmündigkeit: 15 Jahre 
  • Volljährigkeit: 18 Jahre 

Arbeit

  • Erlaubnis zur leichten, stundenweisen Beschäftigungen mit Einverständnis der Eltern: 14 Jahre 
  • Erlaubnis zur Vollzeitbeschäftigung (unter der Voraussetzung, dass keine Schulpflicht mehr besteht): 15 Jahre  

Recht zum Erwerb des Führerscheins

  • Motorboote: 15 Jahre 
  • leichte Motorräder: 16 Jahre 
  • schwere Motorräder, PKW und LKW: 18 Jahre  

Weiteres

  • Recht, eine Organisation zu gründen und in einer Organisation abzustimmen: 15 Jahre 
  • Kauf von Tabakwaren: 18 Jahre 
  • Kauf und Konsum von leichten alkoholischen Getränken (Bier, Wein etc.): 18 Jahre 
  • passives und aktives Wahlrecht: 18 Jahre 
  • Recht, über den eigenen Besitz zu verfügen und Verträge und andere rechtskräftige Vereinbarungen zu unterzeichnen: 18 Jahre 
  • Recht zu heiraten: 18 Jahre 
  • Kauf von hochprozentigen alkoholischen Getränken: 20 Jahre 

In Finnland gilt die allgemeine Wehrpflicht. Jeder männliche finnische Bürger wird mit 18 Jahren einberufen. Männer von den Ålandinseln sind vom Wehrdienst befreit. Die Dauer des Dienstes an der Waffe variiert zwischen einem halben und einem ganzen Jahr. Alternativen aus religiösen oder ethischen Beweggründen heraus sind der Wehrdienst ohne Waffe und der Zivildienst. Letzterer dauert dreizehn Monate, wird aber nur von sehr wenigen jungen Männern gewählt. Frauen unterliegen nicht der Wehrpflicht, können aber freiwillig zum Militär gehen.

Links
www.protection-of-minors.eu/de/FI_overview.php - Informationen zum Kinder- und Jugendschutz in Europa der BAG Kinder- und Jugendschutz
http://wiki.crin.org/mediawiki/index.php?title=Finland - Wiki zu Kinderrechten in Finnland

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Finanzierung

Euro-Geldscheine.
Euro-Geldscheine.Bild: © Tatjana Balzer / fotolia.com

Staatliche nationale Förderung

Das Budget des Ministeriums für die Jugendarbeit beläuft sich auf jährlich rund 39 Millionen Euro, was etwa 0,1 % des Staatshaushaltes entspricht. Ingesamt werden rund 15 % des Staatshaushaltes für Kinder und Jugendliche aufgewendet.

Der größte Posten im Etat des Ministeriums ist die finanzielle Unterstützung überregionaler Jugendorganisationen. Das Ministerium gewährt jährliche Zuschüsse, die bis zu 85% von deren Betriebkosten abdecken können, im Durchschnitt aber bei 30% liegen. 2006 standen für die Förderung der Arbeit der rund 100 Jugendorganisationen 11,6 Millionen Euro zur Verfügung. Zum Vergleich: 2001 lag die Summe bei 256 000 Euro. Im Prinzip hat eine Jugendorganisation Anrecht auf staatliche Förderung, wenn sie auf nationaler Ebene arbeitet, mindestens 1000 Mitglieder hat und mindestens zwei Drittel ihrer Mitglieder unter 29 Jahre alt sind.

Dem Ministerium stehen verschiedene Töpfe zur Förderung von Projekten zur Verfügung. In den letzten Jahren wurden diese vor allem für Projekte ausgegeben, die die Bekämpfung der Ausgrenzung von Jugendlichen und die Entwicklung von Abenteuerpädagogik zum Ziel hatten, zum Teil auch für internationale Projekte. Diese Art der Projektförderung gewinnt als Mittel der Jugendpolitik mehr und mehr an Bedeutung. Auch Organisationen, die keine regelmäßigen Gelder erhalten, können auf diese Weise Projekte finanzieren. Außerdem vergibt dasMinisterium regelmäßige Preise, unter anderem auch im Kinder- und Jugendbereich. 

Auf der Einnahmenseite speist sich der Etat des Ministeriums aus zwei Quellen: Im finnischen Lotteriegesetz ist festgelegt, dass 9 % der Gewinnerträge in die Jugendarbeit fließen müssen. Weiteres Geld kommt aus dem allgemeinen Etat für die Jugendwerkstätten und die Sucht- und Drogenpräventionsarbeit.

Finanzierung der Jugendarbeit auf lokaler Ebene

Die Mittel der Kommunen für die Jugendarbeit belaufen sich auf rund 150 Millionen Euro, das heißt auf 0,6 % ihres Gesamtetats. Ingesamt werden 35-45 % des Haushaltes der Kommunen für Kinder und Jugendliche aufgewendet. Finanziert wird dies hauptsächlich aus den Erträgen der Kommunalsteuer, aber auch durch zielgerichtete staatliche Zuwendungen. Diese betragen rund 16 Millionen Euro, also rund 11 % der Ausgaben der Kommunen für Jugendarbeit.

Quelle: Finnisches Unterrichtsministerium: Jugendarbeit und Jugendpolitik, Grundinformation Jugend, Helsinki 2007

Private und sonstige Finanzierungsquellen

Wie in Deutschland auch können Jugendorganisationen und Jugendgruppen in Finnland durch Eigeninitiative Geld einwerben oder sich bei Stiftungen und Unternehmen um Sponsoring bemühen. So sponsern beispielsweise große finnische Presseverlage Tageszeitungen für Jugendeinrichtungen.

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Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten

Präsidentenpalast in Helsinki.
Präsidentenpalast in Helsinki.Bild: anneileino / pixabay.com

Die Verantwortung für den Bereich Jugendarbeit und -politik obliegt dem Ministerium für Bildung und Kultur (Opetus-ja kulttuuriministeriö, www.minedu.fi/OPM/?lang=en), das für Bildung, Forschung, Kultur, Jugend und Sport zuständig ist. Die Ministerin heißt Ms. Sanni Grahn-Laasonen.

Innerhalb des Ministeriums ist die Unterabteilung für Jugendpolitik (Youth Policy Division), die in der Abteilung für Kultur, Sport und Jugendpolitik angesiedelt ist, für Jugendfragen verantwortlich. Die Tätigkeit dieser Unterabteilung umfasst: 
• Jugendarbeit und Jugendaktivitäten, 
• die Koordinierung der Jugendpolitik, 
• die Verbesserung der Lebensbedingungen junger Menschen, 
• die Vorbeugung von Rassismus und Förderung der Beziehungen zwischen den Ethnien.

Neben dem Ministerium für Bildung und Kultur spielt auch das Ministerium für Soziales und Gesundheit (www.stm.fi) eine Rolle in der Jugendarbeit, zum Beispiel im Bereich der Kinderhilfe oder der gesundheitlichen Aufklärung. Auch das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft (www.tem.fi/?l=en) trägt seinen Teil zur Jugendpolitik bei – unter anderem bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. Nach dem Gesetz über die Jugendarbeit müssen zudem das Büro des Premierministers und die anderen Ministerien sektorübergreifende Entwicklungsmaßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Jugendlichen umsetzen. Auf nationaler Ebene werden diese Maßnahmen vom Ministerium für Bildung und Kultur koordiniert, auf regionaler Ebene von den Provinzbehörden und auf lokaler Ebene von den Kommunen.

Schaubild zu den Strukturen der Jugendarbeit in Finnland - Quelle: Finnisches Unterrichtsministerium: Jugendarbeit und Jugendpolitik, Grundinformation Jugend, Helsinki 2007
Schaubild zu den Strukturen der Jugendarbeit in Finnland - Quelle: Finnisches Unterrichtsministerium: Jugendarbeit und Jugendpolitik, Grundinformation Jugend, Helsinki 2007
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Nationale und regionale Kinder- und Jugendräte

Der nationale Jugendrat Finnlands ist die Finnische Jugendkooperation Allianssi (Suomen Nuorisoyhteistyö Allianssi, www.alli.fi/etusivu). Allianssi wurde 1992 gegründet, hatte aber mehrere Vorläuferorganisationen. Heute sind unter ihrem Dach mehr als 100 Mitgliedsorganisationen vereint - bildungs- und freizeitorientierte Organisationen genauso wie politische Jugendorganisationen, Pfadfinder und kirchliche Gruppen. Darüber hinaus gibt es mehrere persönliche Mitglieder.

Neben ihrer Funktion als Vertretung der Interessen von Jugendlichen und Jugendorganisationen gegenüber Regierung, Parlament, Verwaltung und Öffentlichkeit fungiert Allianssi als Serviceeinrichtung für Jugendarbeiter/-innen, bietet aber auch direkte Angebote für junge Leute. So sammelt und vermittelt Allianssi Informationen, die die Jugend betreffen, und ist Träger einer Bibliothek für Jugendpolitik (die einzige dieser Art im nordischen Raum) sowie des Internetangebots Jugendinfohaus (www.nuorisotiedonkirjasto.fi/english/) für Fachkräfte der Jugendarbeit und junge Leute (Kurzinfo auf Englisch). Außerdem fördert Allianssi das Konzept der Jugendinformation, repräsentiert die Informationszentren im Bereich der internationalen Zusammenarbeit und bietet Dienstleistungen für lokale Zentren an. Darüber hinaus gibt Allianssi neben zahlreichen Informationsbroschüren die Zeitschrift Nuorisotyö (Jugendarbeit) heraus, fördert den Jugendtourismus und -austausch, vermittelt Au-pair-Stellen, Workcamps, Freiwilligenstellen etc. und organisiert Studienreisen ins Ausland.

In Deutschland kooperiert Allianssi mit dem Deutschen Bundesjugendring (www.dbjr.de), dem Deutschen Nationalkomitee für internationale Jugendarbeit (www.d-n-k.org) sowie mit IJAB – Fachstelle für internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland (www.ijab.de). Auf europäischer Ebene ist Allianssi ein aktives Mitglied des Europäischen Jugendforums (www.youthforum.org) und vertritt Finnlands in der European Youth Information and Counselling Agency (ERYICA, http://eryica.org). Darüber hinaus kooperiert Allianssi eng mit den nationalen Jugendräten der Region, zum Beispiel im Rahmen des Nordischen Rates sowie der Ostsee- und der Barentssee-Kooperation.

Lokale Jugendräte
Mit Blick auf eine weiterhin zu stärkende Jugend sind in mittlerweile 200 Gemeinden lokale Jugendräte (auch als Jugendforen oder Jugendparlamente bezeichnet) eingerichtet worden. Sie dienen als Kanäle für die Beteiligung von Jugendlichen an lokalen Entscheidungsprozessen und setzen sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen in ihrer Gemeinde ein. Die Jugendräte variieren bezüglich ihrer Organisation und Zusammensetzung ihrer Mitglieder. Ihre Arbeit wird von Allianssi unterstützt.

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Kinder- und jugendpolitische Einrichtungen und ihre Kompetenzen

Auf nationaler Ebene
Als Sachverständigenorgane stehen dem Ministerium für Bildung und Kultur der staatliche Beirat für Jugendfragen sowie der Bewertungs- und Zuwendungsausschuss zur Seite (www.minedu.fi/OPM/Nuoriso/nuorisoasiain_neuvottelukunta/?lang=en).

Die Mitglieder/-innen des staatlichen Beirats für Jugendfragen (Nuorisoasiain neuvottelukunta - Nuora) werden für vier Jahre vom Staatsrat berufen. Vorgeschlagen werden sie von überregionalen Jugendorganisationen sowie von Organisationen und Vereinigungen, die in der Jugendarbeit aktiv sind. Zentrale Aufgabe des Beirates für Jugendfragen ist es, das jährliche jugendpolitische Entwicklungsprogramms mit vorzubereiten und dessen Umsetzung zu verfolgen und zu überwachen. Des Weiteren ist es Aufgabe des Beirats, die Standpunkte Jugendlicher in die Beschlussfassungen von Regierung und Parlament einzubringen. Er fungiert als Sachverständiger bei der Behandlung von Fragen der Jugendarbeit und -politik sowie der Lebensbedingungen von Jugendlichen. Die Sachkenntnis des Beirates wird in erster Linie von den verschiedenen Parlamentsausschüssen und den Ministerien genutzt. Der Beirat verfasst darüber hinaus Stellungnahmen zu allgemeinen Diskussionen. 

Eine weitere wichtige Tätigkeit des Beirats ist die Publikation von Daten über die Lebensbedingungen und Einstellungen von Jugendlichen. Die wichtigsten Publikationen sind das jährliche Jugendbarometer, in dem die Werte und Einstellungen von Jugendlichen abgefragt werden, sowie die Jahresbücher, die die Lebensbedingungen Jugendlicher beschreiben. Außerdem veröffentlicht der Beirat Untersuchungen zu den politischen Einstellungen und den Wahlaktivitäten Jugendlicher und unterhält eine Internetdatenbank zu den Lebensbedingungen von Jugendlichen.

Der Beirat arbeitet in enger Kooperation mit anderen Akteuren der Jugendarbeit wie zum Beispiel Jugendorganisationen, Jugendforschungsinstituten, Vertreter(inne)n der kirchlichen Jugendarbeit sowie den Ministerien zusammen. 

Der Bewertungs- und Zuwendungsausschuss unterbreitet dem Ministerium für Bildung ud Kultur jedes Jahr einen Vorschlag für die Verteilung der staatlichen Fördermittel auf die nationalen Jugendorganisationen. Darüber hinaus bewertet er das Förderungssystem und unterstützt dessen Weiterentwicklung. Die Mitglieder/-innen des Ausschusses werden von den nationalen Jugendorganisationen nominiert.

 

Jugendforschung wird in Finnland hauptsächlich von den Universitäten und der finnischen Jugendforschungsgesellschaft (Nuorisotutkimusseura, www.nuorisotutkimusseura.fi/en) betrieben. Die Hauptaufgabe der Jugendforschungsgesellschaft ist es, die interdisziplinäre Jugendforschung in Finnland zu fördern und entsprechende Forschungsergebnisse zusammenzustellen und zu verbreiten. Die Gesellschaft fördert nationale und internationale Kooperation zwischen Forscher(inne)n, Universitäten, Verwaltung und Parteien. Durch das 1999 gegründete Jugendforschungsnetzwerk führt die Jugendforschungsgesellschaft eigene Studien durch und fördert die Forschung anderer. Schwerpunkt der Forschungsvorhaben sind dabei Jugendliche im Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt, die Jugend- und Ausbildungskultur sowie die Werte junger Menschen in Finnland.

Im Rahmen der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention wurde in Finnland 2005 das Amt einer bzw. eines Ombudsfrau/-mann für Kinder eingerichtet (www.lapsiasia.fi/en/frontpage). Erste Ombudsfrau wurde Maria Kaisa Aula, aktuell ist Tuomas Kurttila Ombudsmann für Kinder. In Kooperation mit staatlichen Stellen, Organisationen, Forschungseinrichtungen und Interessengruppen setzt sie sich für die Rechte und Interessen von Kindern ein.

Auf regionaler Ebene
Finnland setzt sich aus den fünf Provinzen Südfinnland, Westfinnland, Ostfinnland, Oulu und Lappland (plus die autonome Provinz Åland) zusammen. Im Provinzialverwaltungsgesetz wird vorgeschrieben, dass jede Provinzialverwaltung über eine Jugendabteilung verfügen muss. Dieses ist meistens Teil der Bildungs- und Kulturabteilung.

Die Jugendarbeit der Provinzen wird vom Ministerium für Bildung und Kultur gesteuert, was in der Praxis bedeutet, dass Ministerium und Provinzialverwaltung dreijährige Zielvereinbarungen verabschieden, die jährlich überprüft werden. Auf diesen Zielvereinbarungen basieren die finanziellen Mittel, die das Ministerium für Bildung und Kultur für die regionale Ebene zur Verfügung stellt. 

In den Zielvereinbarungen sind unter anderem folgenden Aufgaben festgelegt:

  • Gewährung regionaler Entwicklungsbeihilfen für die Jugendarbeit,
  • Bewertung der Basisdienstleistungen der kommunalen Jugendarbeit,
  • Schulungen zu aktuellen Entwicklungen der Jugendarbeit,
  • Organisation von regionalen Verhandlungstagungen für die Jugendarbeit,
  • regionale Beobachtung, Bewertung und Entwicklung der Entwicklungs- und Lebensbedingungen Jugendlicher,
  • regionale internationale Zusammenarbeit der Jugendarbeit,
  • Unterstützung der Jugendwerkstätten,
  • Unterstützung der Nachmittagsbetreuung von Schüler(inne)n,
  • sonstige vom Ministerium für Bildung und Kultur zugewiesene Aufgaben. 

2006 hat das Ministerium den Provinzen für ihre Jugendarbeit Mittel in Höhe von 450 000 Euro bewilligt.

Auf kommunaler Ebene
In Finnland gibt es 415 Kommunen. Ihre Aktivitäten bilden die Basis für die staatliche Jugendarbeit. Derzeit haben nur 12 Kommunen einen separaten Jugendausschuss, in den meisten anderen ist der Jugendbereich mit dem Sport-, Kultur- oder Bildungssektor kombiniert. Insgesamt sind in der kommunalen Jugendarbeit rund 3400 Jugendmitarbeiter/-innen beschäftigt.

Neben der Förderung von Jugendorganisationen und Freizeitaktivitäten von Jugendlichen besteht ein vorrangiges Ziel der lokalen Jugendarbeit darin, die Lebensbedingungen der Jugendlichen zu verbessern. Aufgaben der kommunalen Jugendarbeit sind unter anderem

Rote Holzhäuser am Fluss in Porvoo.
Rote Holzhäuser am Fluss in Porvoo.Bild: LUM3N 7 pixabay.com
  • die Förderung der aktiven Staatsbürgerschaft von Jugendlichen,
  • die pädagogische Anleitung von Jugendlichen, 
  • die sportliche, kulturelle, internationale und multikulturelle Jugendtätigkeit,
  • die Umwelterziehung Jugendlicher,
  • der Unterhalt von Jugendräumen und Freizeitgestaltungsmöglichkeiten,
  • die Bereitstellung von Informations- und Beratungsdienstleistungen für Jugendliche,
  • die Arbeit mit jugendlichen Migrant(inn)en,
  • die Unterstützung von Jugendvereinen und Jugendgruppen,
  • der Unterhalt von Werkstätten für arbeitslose Jugendliche,
  • Sucht- und Drogenprävention,
  • die Organisation der Nachmittagsbetreuung für Schüler/-innen.
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Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme

Die Jugendarbeit wird in Finnland in drei Bereiche unterschieden: 
• die gesellschaftlichen Tätigkeiten von Jugendlichen selbst, 
• die unterschiedlichen Verbesserungsmaßnahmen für die Jugendarbeit und 
• die Dienstleistungen, die diese beiden Bereiche miteinander verbinden. 

Langfristiges Ziel der finnischen Regierung ist es, die Jugendarbeit neben der Schulpolitik zu einem zweiten Standbein zur Förderung der aktiven Bürgerschaft Jugendlicher zu entwickeln. Hierbei lässt sich die Regierung von dem Grundsatz leiten, dass Jugend nicht in Problemkategorien gesehen werden darf, sondern die zentrale Zukunft und Kraftreserve des Landes ist, die es in jeder Hinsicht zu fördern gilt. 

Im Dezember 2011 hat die finnische Regierung das Programm für die Kinder- und Jugendpolitik 2012-2015 verabschiedet. In diesem werden die Ziele, Schwerpunkte und Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen definiert. Dieses Programm ist der Nachfolger und die Weiterentwicklung des Programms für die Kinder- und Jugendpolitik von 2007-2011, welches das erste sektorübergreifende Regierungsprogramm in dem Themenfeld seit 1979 war. Nach dem Gesetz über die Jugendarbeit von 2006 muss das Programm für die Kinder- und Jugendpolitik alle vier Jahre erneuert werden. Es steht in enger Verbindung mit weiteren Regierungsprogrammen zum Beispiel im Bereich Gesundheit oder Beschäftigung.

In dem Regierungsprogramm wurden unter anderem folgende kinder- und jugendpolitischen Schwerpunkte und Ziele festgelegt: 

  • Die Bürgerkompetenz der Kinder und Jugendlichen soll gefördert und der Gemeinschaftssinn gestärkt werden,
  • Alle Kinder und Jugendlichen haben die gleichen Chancen an kulturellen, sportlichen und anderen freizeitlichen Aktivitäten teilzunehmen,
  • Jugendliche finden Arbeit und die Jugendarbeitslosigkeit sinkt,
  • Diskriminierende und rassistische Bewegungen werden unterbunden,
  • Jungen und Mädchen haben die gleichen Rechte und Möglichkeiten,
  • Jugendliche haben die Möglichkeit, unabhängig zu leben,
  • Ungeachtet ihrer Herkunft haben alle Kinder und Jugendlichen Zugang zu guter Bildung,
  • Ein gesunder Lebensstil von Kindern und Jugendlichen wird durch vorbeugende Maßnahmen gefördert,
  • Alle Angelegenheiten, die Kinder, Jugendliche und Familien betreffen, werden kompetent und in enger und guter Zusammenarbeit aller Beteiligten verwaltet. 

Das gesamte Programm für die Jahre 2012-2015 kann in englischer Sprache unter www.minedu.fi/export/sites/default/OPM/Julkaisut/2012/liitteet/OKM8.pdf?lang=en abgerufen werden.

Das vorherige Programm für die Jahre 2007-2011 finden Sie hier unter www.minedu.fi/export/sites/default/OPM/Julkaisut/2008/liitteet/opm21.pdf?lang=en.
Auf der Grundlage des Programms für die Kinder- und Jugendpolitik 2007-2011 wurden weitere Programme für bestimmte Zielsetzungen ausgearbeitet, unter anderem das Programm für das Wohlergehen von Kindern, Jugendlichen und Familien (www.minedu.fi/lapset_nuoret_perheet/Osa-alueet/Lapset/?lang=en). Dieses hat folgende Schwerpunkte:  

  •  eine kinderorientierte Gesellschaft 
  •  Wohlergehen von Familien 
  •  Vorbeugung von sozialer Ausgrenzung 

"Avartti – Die jungen Leute tun’s!"(http://avartti.fi) ist ein zielorientiertes und langfristig angelegtes Aktivierungsprogramm im Bereich der vorbeugenden Jugendarbeit, das in Finnland seit 1999 umgesetzt wird. Das Programm wird in unterschiedlichen Formen und unter verschiedenen Namen in mehr als 100 Ländern angeboten. Avartti richtet sich an junge Leute zwischen 14 und 25 Jahren. Auf drei Ebenen (Bronze, Silber, Gold) können die Jugendlichen im Rahmen von künsterlischen, sportlichen und dienstleistungsorientierten Aktivitäten sowie "Abenteueraufgaben" für sechs bzw. zwölf Monate aktiv werden. Das Programm soll die Ausdauer und aktive Bürgerschaft von Jugendlichen fördern, ohne Konkurrenzsituationen zu schaffen. Begleitet werden die Jugendlichen dabei unter anderem von Fachkräften der Jugendarbeit, Lehrer(inne)n, Eltern sowie Haupt- und Ehrenamtlichen aus dem Sportbereich. Mittlerweile hat sich Avartti zu einer anspruchsvollen Methode der Jugendarbeit entwickelt, die sowohl von Organisationen als auch von Kommunen, Kirchengemeinden und Schulen bei ihrer Erziehungsarbeit als Arbeitsmittel genutzt wird.

2005 verabschiedete die finnische Regierung den Aktionsplan "A Finland Fit for Children", über den die UN-Kinderrechtskonvention in Finnland umgesetzt wird. Dabei wurden folgende Ziele festgelegt: 

  • Kinder erhalten zuhause Liebe und Fürsorge,
  • Kinder haben sichere und lang anhaltende Beziehungen und eine Umgebung, die ein Gefühl von Sicherheit vermittelt,
  • Kinder haben Zugang zu allen grundlegenden und speziellen Serviceeinrichtungen, die sie benötigen, sowie ein gesichertes Auskommen,
  • Kinder genießen steigende Partizipationsmöglichkeiten im Alltag,
  • Kinderrechte sind weithin bekannt. 

Um diese Ziele zu erreichen wurden verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen, so beispielsweise die Kinderechte im Lehrplan zu verankern und die Zahl von Kinderparlamenten auszuweiten. Darüber hinaus wurde das Amt einer bzw. eines Ombudsfrau/-man für Kinder eingerichtet. 

Die Jugendakademie (www.nuortenakatemia.fi), eine Kooperation großer Jugend- und Sportverbände in Finnland, hat ein Studienbuch für Freizeitaktivitäten entwickelt, in dem junge Leute ab einem Alter von 13 Jahren ihre freiwilligen Aktivitäten verzeichnen (lassen) können. Ziel ist die Förderung der Anerkennung von freiwilligem Engagement. Es bezeugt die Initiative eines jungen Menschen, seine langjährigen Verpflichtungen, seine Führungsqualitäten etc. und kann unter Umständen Anerkennung bei der Bewerbung um einen Studien- oder Ausbildungsplatz finden oder sogar als Ersatz für bestimmte Studieninhalte gelten. Mittlerweile wurde das Studienbuch über 13 000 Mal verteilt.

Weitere Aktionsprogramme gibt es im Kultur- und Sportbereich. Eine Beschreibung ist in den entsprechenden Unterkapiteln im Kapitel Kinder- und Jugendhilfe in der Praxis zu finden.

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Impressum
ImpressumBild: geralt / pixabay.com

Impressum - Finnland

Die Länderinfos zu FINNLAND wurden zusammengestellt von: IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Letzte Aktualisierung: November 2017

Kontakt: dija@ijab.de